Schlaglicht

US-Hurrikans führen Rückversicherer aus der Sinnkrise

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nachdem "Harvey" die US-Staaten Texas und Louisiana verwüstet hat, braut sich nun über der Karibik der Hurrikan "Irma" zusammen – der stärkste in der Region je registrierte Tropensturm. Milliardenschäden werden in Florida erwartet. Auf dem Rückversicherungstreffen in Monte Carlo fragen sich die Vorstände an diesem Wochenende, ob dadurch der erhoffte Preisumschwung eintritt und die Rückversicherungsbranche erneut ihre Zyklizität beweist.
"Irma" erreicht Windgeschwindigkeiten von fast 300 Kilometern pro Stunde und zog am Mittwoch in Richtung der Kleinen Antillen. Der Wirbelsturm der Kategorie fünf – die höchste Stufe – ist nach Angaben des US-amerikanischen Nationalen Hurrikanzentrums (NHC) der stärkste Hurrikan, der jemals außerhalb der Karibik und des Golfs von Mexiko verzeichnet wurde. US-Präsident Donald Trump rief für Florida, Puerto Rico und die Virgin Islands den Notstand aus, dadurch werden Bundesmittel freigesetzt.
"Irma" ist laut Behörden noch stärker als "Harvey", der Ende August die US-Bundesstaaten Texas und Louisiana heimsuchte. Harvey hat nach Schätzung des Gouverneurs von Texas zwischen 150 und 180 Mrd. Dollar an wirtschaftlichem Schaden angerichtet. Er sei damit teurer als der Sturm "Katrina", der 2005 New Orleans verwüstet und mehr als 120 Mrd. Dollar Schaden verursacht habe, sagte Greg Abbott dem Sender Fox News. Laut Experten dürfte jedoch weniger als die Hälfte der Schadenschätzung versichert sein. Private Versicherer und Rückversicherer müssen vor allem zahlen, wenn Firmen Schäden erleiden.  Auch haben diese Stürme erhebliche Auswirkungen auf die Resilienz der Lieferketten und bedrohliches Schadenpotenzial für Industrieversicherer, erläutert Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter von FM Global Deutschland (siehe MÄRKTE & VERTRIEB)
Eine Katastrophe, die so groß ist, dass sie den Markt drehen könnte – darauf hofften Rückversicherer bislang vergeblich. Selbst 9/11, das die Assekuranz 40 Mrd. Dollar kostete, führte nicht zu einem strikteren Underwriting. Die Talfahrt bei den Raten kennt nur eine Richtung. Das Angebot an Rückversicherung übersteigt die Nachfrage bei weitem. Somit befinden sich die Rückversicherer in einer fundamentalen Sinnkrise. Wo keine Schäden sind, macht Versicherung keinen Sinn. Der Hurrikan Irma könnte das ändern, allerdings steckt im Markt so viel Kapital, dass nicht einmal ein Megaschaden den Preistrend drehen würde. Investoren auf der Suche nach Rendite strömen schon seit Jahren in den Sektor. In den ersten sechs Monaten 2017 hat der Markt für Versicherungsverbriefungen (Insurance Linked Securities) ein Rekordniveau erreicht. Mit rund zehn Mrd. Dollar Volumen wurden bereits bis zum Sommer so viele Cat Bonds emittiert wie sonst noch nie in einem ganzen Jahr.
Harvey offenbarte, dass man in den USA noch viel mehr versichern könnte. Darin liegt die Chance der Rückversicherer, die aggressiver auch bei den Risikofeldern wie Cyber und Supply-Chain agieren müssen. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass Superstürme wie "Harvey" und "Irma" die Rückversicherer künstlich am Leben halten. (vwh/dg)
Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
Rückversicherer
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