Politik & Regulierung

Versicherer zahlt nach Unfall mit fünf Promille

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kfz-Versicherer sind inzwischen unerbittlich, wenn es um einen verschuldeten Unfall unter Alkoholeinfluss geht. Das musste auch eine 45-jährige Frau erfahren, die bis heute nicht einmal mehr weiß, wie sie überhaupt ans Steuer ihres Autos gekommen ist. Noch weniger kann sie sich an den Crash mit einem anderen Fahrzeug erinnern. Der Bluttest ergab unglaubliche fünf Promille. Trotzdem musste der Versicherer zunächst zahlen.
So war die Dame nach eigenen Angaben Quartalstrinkern, die dann täglich zwischen zwei bis drei Flaschen Wodka konsumierte. Auch wenige Minuten vor dem Unfall wurde die Pädagogin noch mit einer Flasche in der Hand gesehen. Die Fahrt im Auto endete schnell. Sie verlor die Kontrolle über ihren Kleinwagen und krachte ungebremst in einem parkenden Golf. Anschließend musste sie auf der Intensivstation behandelt werden. Dort stellten die Mediziner den rekordverdächtigen Alkoholspiegel fest.
Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung übernahm zunächst die 9.145 Euro Unfallschaden, forderte aber die gesetzlich zustehenden 5.000 Euro zurück. Die Begründung war eindeutig: Sich im Vollrausch ans Steuer setzen, sei eine vorsätzliche Vertragsverletzung. Das Amtsgericht wies jedoch die Klage des Versicherers ab. Bei Lisa F. habe kein Vorsatz vorgelegen. Die alkoholkranke Frau habe willensmäßig nicht steuern können, ob sie trinkt oder nicht. Im Übrigen erklärte der Gutachter auch, die Frau habe die fünf Promille nur überlebt, weil die Alkoholkonzentration nicht an einem einzigen Tag erreicht worden sein konnte, sondern nur durch tagelange Trinkerei.
Die Versicherung ging mit Erfolg in Berufung. Die 8. Zivilkammer des Landgerichts Bonn verurteilte F. sehr wohl zur Zahlung der 5.000 Euro (AZ.: 8 S 265/16). Die 45-Jährige habe sich zwar nicht mit Vorsatz ins Auto gesetzt, aber doch grob fahrlässig gehandelt. Wer seit vielen Jahren um eine so schwere Sucht-Erkrankung wisse, so die Richter, müsse sich rechtzeitig darum kümmern, dass das Fahrzeug unzugänglich ist. Auf Grund der hohen Gefahr hätte F. ausschließen müssen, dass es im Suff zu so einer Trunkenheitsfahrt kommt. Ein gutes hat das Ganze für F. dann doch noch. Sie soll inzwischen "trocken" sein. (vwh/wo)
Bildquelle: S. Hofschlaeger / PIXELIO (www.pixelio.de)
Kfz-Versicherer · Alkohol · Landgericht Bonn
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