Köpfe & Positionen

"Junge Leute werden bei Rente allein gelassen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Junge Leute, die bei der Rente in eine ungewisse Zukunft schauen, werden dabei komplett allein gelassen", beklagt Christoph Schmallenbach. Der Vorstandsvorsitzende der AachenMünchener Lebensversicherung begründet das damit, dass die Rentenprogramme der Parteien alle auf die jetzige und die nächste Rentengeneration abzielten.
Vielmehr gehe es um Rentenhöhe, Renteneintrittsalter, Mütterrente und anderes. Mehr als die Hälfte aller Wähler sei älter als 55 Jahre. Eine neue Regierung sollte ehrlich zugeben, dass das staatliche Rentensystem in Deutschland im Kern nicht zu stabilisieren sei.
"Bei uns kommen pro Paar ungefähr 1,4 Kinder zur Welt. Für die Sicherung des Rentensystems müssen es aber 2,1 Kinder sein". Auch eine Beitragserhöhung ist für Schmallenbach nicht ratsam. "Damit steigt die Belastung der Arbeitnehmer, und das mindert das für Vorsorge zur Verfügung stehende Einkommen", betont der Vorstandschef der AachenMünchener im Interview mit der Rheinischen Post. Das wäre auch nicht generationengerecht.
Der Chef des drittgrößten deutschen Lebensversicherers fordert einen wahlperioden- und parteiübergreifenden Konsens, um die Probleme anzugehen. Zum Beispiel müsste finanzielle Bildung für junge Leute ein Muss sein, damit diese begreifen würden, wie wichtig es sei, ihre Finanzen zu regeln und eben auch ihre Rentenlücke zu schließen. Wichtig wäre das Fach Wirtschaft in der Schule, am besten ab der Mittelstufe.
"Die Regierung muss außerdem eine Regelung zum Renteneintrittsalter definieren, die festgeschrieben wird und an der nicht wieder alle paar Jahre rumgedoktert wird", fordert Schmallenbach. Private Vorsorge müsste noch leichter und attraktiver gemacht werden.
In der Bevölkerung gebe es "so etwas wie eine Aufschieberitis". Das betreffe auch die Lebensversicherung. Diese sei ein Push-Geschäft für die Anbieter. "Wir müssen den Menschen immer wieder klarmachen, dass sie 40 Jahre in einen Sparvertrag einzahlen müssen, wenn sie im Alter ihren Lebensstandard halten wollen".
Zur Geschäftsentwicklung stellt der Manager fest, dass sein Unternehmen bei den klassischen Altersvorsorgeprodukten gegen den Markttrend wachse. Garantieprodukte würden in Hybridversicherungen verkauft. Klassische Garantien machten dagegen im Neugeschäft nur noch 15 Prozent aus. "Wir wachsen auch in 2017 stärker als der Markt". (vwh/wo)
Bild: Christoph Schmallenbach (Quelle: AMV)
Rente · Aachen Münchener · Christoph Schmallenbach
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