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Versicherer und Insurtechs: Eine echte Hassliebe?

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Von Mateusz Gbiorczyk. Über die Auswirkungen von Insurtchs auf die Versicherungswirtschaft ist viel gesagt und geschrieben worden. Unter den heutigen Branchengrößen gibt es Befürchtungen, Marktanteile an die neuen Wettbewerber zu verlieren. Die Möglichkeit eines kooperativen Ansatzes gegenüber Insurtechs ist ein weit weniger diskutiertes Thema, obwohl ein solches Vorgehen bei vielen Versicherern seit längerem hoch im Kurs steht.
Trotz der großen Hoffnungen in Insurtechs und selbstsicherer Versprechungen einiger Gründer, die Versicherungswelt von Grund auf revolutionieren zu wollen, muss man feststellen, dass die etablierten Playern immer noch über 90 Prozent des Marktes kontrollieren. Die Anstrengungen der Startups, die etwas an diesen Verhältnissen verändern wollen, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen, da das Versicherungsgeschäft in hohem Maße reguliert ist und eine starke Kapitalausstattung erfordert.
Frisches Denken, Agilität und die Fähigkeit, schnell auf Trends zu reagieren, ermöglicht es Insurtechs neuartige Geschäftsmodelle, wie beispielweise die On-Demand Versicherung von Trov, zu konzipieren, die vor einigen Jahren für viele außerhalb jeglicher Vorstellungskraft lagen. Viele Versicherer wollen sich diese Vorteile der Startups zu Nutze machen und bieten den Insurtechs im Gegenzug genau das an, woran es oftmals mangelt: Kapital, Marktposition und Kenntnisse im Bereich Regulierung, oftmals in vielen Märkten rund um den Globus.
Versicherer taten sich lange Zeit schwer damit, ihren Kunden nutzerfreundliche Dienste anzubieten, wie man sie beispielsweise von Amazon gewöhnt ist. In der Zusammenarbeit mit verschiedenen Arten von Startups sehen sie einen Weg, ihre Schwachpunkte zu verbessern. Solche Kooperationen sind geläufiger, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.
Allein in Deutschland hat sich beispielsweise die Ergo mit Wefox verpartnert, um im "Innovation-Lab" die Digitalisierung voranzutreiben. Die Allianz arbeitet unter anderem mit Simplesurance zusammen, die Axa ist Partnerschaften mit diversen Startups wie Friendsurance eingegangen und die Munich Re ist an 25 InsurTechs wie Trov, Next Insurance oder Bought-By-Many beteiligt.
Wenn die Kooperation zwischen InsurTechs und etablierten Versicherern so viele Vorteile mit sich bringt, stellt sich die Frage, warum man sie nicht noch häufiger antrifft. Es gilt einige Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden. Zunächst einmal müssen beide Seiten den richtigen Partner finden.

Kein Ende des Insurtech-Booms in Sicht

Die Anzahl der Versicherer in den verschiedenen Märkten ist gewaltig. Die Association of British Insurers hat über 200 Mitglieder, die polnische Versicherungskammer über 50 und der deutsche Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) listet über 500 Versicherungsunternehmen. Die Insurtech-Szene ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. So führt Venture Scanner über 1.300 Unternehmen in der Kategorie InsurTech.
Die zweite Herausforderung liegt darin, das richtige Partnerschaftsmodell zu wählen. Versicherer können Startups ganz übernehmen oder sich für eine Minderheitsbeteiligung entscheiden. Man kann die Lösungen der Startups auf einer Software as a Service Basis (SaaS) nutzen oder innerhalb eines Inkubators oder Accelerators kooperieren. Die schiere Anzahl der unterschiedlichen Möglichkeiten macht eine Entscheidung schwer. Dazu kommt, wie in jeder schnell wachsenden Branche, dass es nur bedingt abzusehen ist, welche Lösungsansätze der Insurtechs sich auf welchem Markt durchsetzen werden.
Abgesehen von den offensichtlichen Vorteilen, ist eine Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Insurtechs oftmals nicht reibungslos möglich. Letztendlich aber braucht man sich gegenseitig, um in dem herausfordernden Marktumfeld erfolgreich zu sein. Ohne InsurTechs besteht die Gefahr, dass etablierte Player Marktanteile an Wettbewerber verlieren, sobald diese innovative und kundenfreundlichere Lösungen anbieten.
Insurtechs können ohne Kooperationsmodelle mit Versicherern, die über eine erhebliche Marktmacht verfügen, nur schwer zufriedenstellende Größenvorteile und Wachstumsziele realisieren. Auch wenn der Weg steinig ist, muss man feststellen, dass sich eine Kooperation letztendlich für beide Seiten lohnen kann.
Bild: Mateusz Gbiorczyk ist Senior Consultant bei Sollers Consulting. (Quelle: Sollers)
Sollers · InSurTechs
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