Köpfe & Positionen

Buntenbach: "Rente ist eben mehr als Mathematik"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Zukunft der Alterversorgung spielt im diesjährigen Wahlkampf eine wesentliche Rolle. Laut einer aktuellen Yougov-Umfrage halten 74 Prozent der Bundesbürger die Rente als wichtigstes Wahlkampfthema. Für DGB-Vorstand Annelie Buntenbach (62) ist die zukünftige Finanzierung de Renten jedoch weitaus mehr "als Mathematik".
Wer länger arbeiten kann und das auch wolle, solle das auch tun können. "Hier stehen Arbeitgeber und Politik in der Pflicht, dass Arbeitsbedingungen nicht krankmachen". Länger arbeiten sei für viele keine Antwort auf eine geringe Rente, sondern eher eine Bedrohung.
Wer in der Pflege arbeite, als Erzieherin, als Dachdecker oder im Schichtdienst, der könnte und wolle nicht ewig lange weiterarbeiten. Das Renteneintrittsalter lasse sich nicht mit dem statistischen Durchschnitt beantworten. Dafür seien die Arbeitsbedingungen viel zu unterschiedlich.
Rente sei bezahlbar, wenn alles dafür getan werde, so dass mehr Menschen gute und abgesicherte Arbeitsverhältnisse hätten. Es gehe auch darum, die Frauenerwerbstätigkeit zu stärken. Da fehle immer noch der Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeit nach der Familienzeit oder die Stundenzahl aufzustocken, wenn man lange in Teilzeit gearbeitet habe.
Ihre Forderung: "Wir wollen weniger prekäre Beschäftigung, damit mehr in die Rentenkasse kommt, mehr über Steuern finanzieren, statt über Beiträge. Das ist eine große Herausforderung, aber Rente ist eben mehr als Mathematik". Zudem will Buntenbach die Frauenerwerbstätigkeit weiter stärken: "Da fehlt noch immer der Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeit nach der Familienzeit oder die Stundenzahl aufzustocken, wenn man lange in Teilzeit gearbeitet hat".
Laut einer aktuellen Umfrage von Aon Hewitt kümmern sich Frauen deutlich weniger mit ihrer Altersvorsorge als ihre männlichen Kollegen. Demnach beschäftigen sich derzeit nur 57 Prozent der Frauen mit der Planung ihrer Rente oder haben diese bereits abgeschlossen. Zum Vergleich: Bei den Männern sind es 70 Prozent.
Zudem sieht die Gewerkschaftsvertreterin die Rentenproblematik als eine der großen Gerechtigkeitsfragen, die viele Menschen persönlich bewege. Hier müsste die Politik umsteuern. Das Rentenniveau sei in den letzten Jahren schon gesunken und werde weiter sinken. Viele Menschen hätten deshalb im Alter mit dem sozialen Abstieg zu kämpfen oder würden sogar unter Altersarmut leiden. (vwh/td/wo)
Bild: Annelie Buntenbach (Quelle: DGB)
Rente · DGB · Annelie Buntenbach
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