Politik & Regulierung

Krankenkassen bunkern weniger fette Rücklagen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die gesetzlichen Krankenkassen sitzen noch auf einem dicken Finanzpolster. Doch der Spardruck wächst. Laut aktuellen Jahresbericht 2016 des Bundesversicherungsamtes (BVA) weisen 29 Kassen (2015: 37) eine Rücklage von mehr als einer Monatsausgabe aus. 21 Kassen (2015: 17) verfügen über eine Rücklage von einer bis 0,9 Monatsausgaben aus. 15 Kassen (2015: neun) weisen ein Polster von 0,25 bis 0,4 Monatsausgaben aus.
So erzielten die 69 bundesunmittelbaren Krankenkassen im vergangenen Jahr laut BVA einen Einnahmen-Überschuss von 0,5 Mrd. Euro (2015: 1,1 Mrd.) aus. Dabei verfügten die Kassen zum Jahresende über ein Betriebsmittel- und Rücklagevermögen in Höhe von 7,9 Mrd. Euro, was 0,71 Monatsausgaben entsprach, so das BVA weiter.
Gleichzeitig wurden 9,4 Millionen Versicherte von von 15 bundesunmittelbaren Krankenkassen mit einem Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent belastet. Für 11,2 Millionen Mitglieder von 35 Krankenkassen lag dieser Betrag hingegen unterhalb der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegten Durchschnittssatz. Für 13,4 Millionen Mitglieder von 18 Krankenkassen lag der Zusatzbeitragssatz oberhalb von 1,1 Prozent.
Zudem hat das BVA für 2017 bei 15 Krankenkassen einen höheren Zusatzbeitragssatzes um bis zu 0,6 Prozent genehmigt. Demnach bezahlen im laufenden Jahr 9,7 Millionen Mitglieder von 17 Krankenkassen einen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent. Für 10,7 Millionen Mitglieder von 26 Krankenkassen gilt ein günstigerer Zusatzbeitrag. Für 13,6 Millionen Mitglieder von 22 Krankenkassen gilt ein höherer Zusatzbeitrag.
Gleichzeitig waren noch nie wo viele Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert wie heute. So wurden zum 1. Juli 2017 nach Angaben des Nachrichtenmagazins Spiegel insgesamt rund 72,26 Millionen Versicherte in Deutschland gezählt. Allein im ersten Halbjahr 2017 lag der Zuwachs bei 562.000 Personen. Kassenexperten führen den
Anstieg auf die gute Konjunktur und die Zuwanderung zurück.
Mit aktuell 9,937 Millionen Versicherten haben die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ihren Vorsprung als größte Kasse weiter ausgebaut. Die Barmer GEK liegt mit 9,352 Millionen auf Platz zwei der gesetzlichen Anbieter, verlor im Vergleich zum Januar aber rund 77.000 Versicherte, heißt es beim Spiegel weiter. Drittgrößte Kasse bleibt demnach die DAK mit 5,827 Millionen Versicherten, einem Minus von rund 20.000 gegenüber dem Jahresanfang.
Ende Juli 2017 warnten die Arbeitgeber in einer eigens beauftragten Prognos-Studie vor einem Jobverlust durch steigende Sozialversicherungsbeiträge. So gehen die Studienautoren davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2040 um 120 Mrd. Euro niedriger ausfallen und 600.000 Arbeitsplätze würden verloren gehen, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber im gleichen Jahr Sozialbeiträge in Höhe von 55,5 Prozent (plus sieben Prozent gegenüber heute) tragen müssten. (vwh/td)
Bildquelle: Tim Reckmann / PIXELIO (www.pixelio.de)
Krankenkasse · Bundesversicherungsamt · Sozialversicherung
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