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Allianz-Chef Bäte zieht es nach Indien

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Seit Allianz-Chef Oliver Bäte das Ruder im Münchener Traditionskonzern übernommen hat, ist in der alterwürdigen Königinstraße einiges in Bewegung geraten. Ob digitaler Umbau und Personalabbau oder die heißersehnte Konzernübernahme - mangelnde Aktivität kann man dem Allianz-Chef jedenfalls nicht vorwerfen. Sein neuestes Ziel: eine digitale Versicherungsfabrik in Indien.
Vor 70 Jahren ist der indische Subkontinent von den britischen Kolonialherren in die Unabhängigkeit entlassen worden. Seitdem hat sich Indien - trotz aller Spannungen mit dem benachbarten Pakistan - zu einem der wichtigsten Boom-Märkte auf dem Globus entwickelt, von nun auch die Versicherer profitieren wollen.
Geht es nun nach dem Willen von Allianz-Chef Oliver Bäte soll die Niederlassung im indischen Trivandrum eines Tages weit mehr sein als eine verlängerte Werkbank oder ein einfaches Outsourcing-Center mit dem banalen Ziel, die Kosten zu drücken, berichtet die Wirtschaftswoche. Vielmehr soll nach dem Willen der Konzernlenker hier die digitale Zukunft des Versicherers gestaltet werden. "Wir bauen hier Know-how auf und hoffen, eines Tages die globale Testfabrik der Allianz zu sein", wird Indienchef Ashish Patel zitiert.

Von der regionalen Außenstelle zum globalen IT-Zentrum

So entwickeln derzeit etwa 300 Mitarbeiter in der indischen Außenstelle der Allianz an einer neuen Version der Plattform Allianz Business System (ABS). ABS ist eine der wichtigsten Anwendungen der Allianz, berichtet die Wirtschaftszeitung. Damit erstellen die Konzernmitarbeiter rund um den Globus Policen, etwa für eine Kfz- oder
eine Hausratversicherung, errechnen damit die Prämien für die Policen oder regulieren damit die Schäden.
Hatten die etwa 70 Landesgesellschaften praktisch eine eigene Version des Programms, soll dies nach dem Willen Bätes künftig vereinheitlicht werden. Das Ziel heiße demnach Transparenz, Vergleichbarkeit und mehr Synergien. Dies scheint sich der Konzern laut Bericht jedenfalls einiges kosten zu lassen: So sollen seit Januar dieses Jahres rund 800 neue Mitarbeiter in Trivandrum eingestellt worden sein - so viele wie sonst nirgendwo auf der Welt in einem solch kurzen Zeitraum. Gleichzeitig sollen auf dem deutschen Heimatmarkt der Allianz bis 2020 insgesamt 700 Stellen der Digitalisierung zum Opfer fallen. Weitere 300 IT-Stellen sollen zudem bei Allianz Technology gestrichen werden. Mit den daraus eingesparten Kosten soll nach Unternehmensangaben der Konzernumbau finanziert werden.
Bislang wurden die Dienstleistungen der indischen Allianz-Außenstelle jedenfalls nur auf dem heimischen Markt sowie in Großbritannien angeboten. Ein Beispiel dafür ist die Haustierversicherung, welche laut Wirtschaftswoche allein im Vereinigten Königreich jährliche Prämieneinnahmen in Höhe von 50 Mio. Pfund in die Kassen spülen. Allein 1,2 Millionen Haustiere sind demnach in Großbritannien bei der Allianz versichert - mit entsprechend Luft nach oben.
Damit folgt Bäte jedenfalls dem Herdentrieb anderer Versicherer, welche sich mit der Privatisierung des indischen Versicherungsmarktes neue Einnahmequellen in Milliardenhöhe erhoffen. Allerdings richten sich die Blicke des Konzernlenkers nicht nur auf Indien. Auch auf dem afrikanischen Versicherungsmarkt sehen Bäte & Co. ein enormes digitales Wachstumspotenzial: "Während sich Europa bei der Digitalisierung noch im Transformationsprozess befindet, ist Afrika von Grund auf digital", betonte er unlängst auf einer Versicherungskonferenz im südafrikanischen Sun City. (vwh/td)
Bildquelle: Allianz
Allianz · Indien · Oliver Bäte
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