Politik & Regulierung

G20-Opfer warten weiter auf Entschädigung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die massiven Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg Anfang Juli 2017 und deren Folgen werden die Opfer wohl noch länger beschäftigen, als ihnen lieb sein dürfte. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel geht der Senat der Freien und Hansestadt davon aus, dass die Entschädigung der betroffenen Bürger wohl erst Ende des Jahres abgeschlossen sein werde.
Demnach seien von den bereitgestellten 40 Mio. Euro erst 132.000 Euro ausgezahlt worden. Laut Bericht sollen die Behörden die Bürger aufgefordert haben, ihre Anträge bis Ende Juli 2017 einzureichen. Dennoch gingen weiter täglich Anträge ein, wie ein Senatssprecher auf Anfrage gegenüber dem Spiegel bestätigte. "Nach den bisherigen Erfahrungen erreichen uns Anträge auch deshalb später, weil die Geschädigten noch die endgültige Schadenshöhe feststellen müssen und Klärungen mit Versicherern vorgenommen werden", wird dieser zitiert.
So gingen bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank, welche mit der Regulierung und Auszahlung betraut wurde, gingen laut Bericht bis Dienstagabend insgesamt 242 Anträge ein. 82 davon seien bislang bewilligt, weitere 20 hingegen abgelehnt worden. Eine Gesamtsumme der Auszahlungen ist nach Angaben des Hamburger Senatssprechers bislang jedoch "nicht zu schätzen". Zudem gehe der Senat davon aus, "dass Ende des Jahres alle wesentlichen Aufgaben abgeschlossen sein sollten".

Schäden an Autos sind die Mehrzahl

Laut Spiegel handelt es sich bei der Mehrzahl der Anträge auf Schäden an Autos (127). Dahinter folgen Gebäudeschäden (83) und sonstige Schäden (47), bei denen es sich etwa um Fahrräder oder nicht versicherte persönliche Besitzgegenstände aus Autos handelt, heißt es weiter. Bereits Mitte Juli hatten sich die Bundesregierung und die Stadt Hamburg hatten einen gemeinsamen Härtefallfonds in Höhe von 40 Mio. Euro aufgesetzt. Dieser soll für die Sachschäden aufkommen, "für die kein Versicherungsschutz besteht".
Zudem soll der Fonds "auch im Falle von zu erwartenden Versicherungsleistungen in Vorleistung gehen". Der Branchenverband GDV geht dabei nach eigenen Berechnungen von einer Schadenssumme bis zu zwölf Mio. Euro aus. Den Löwenanteil tragen bislang die Hamburger Feuerkasse und die Provinzial Nord Brandkasse "Wir gehen mittlerweile von einer Schadenhöhe zwischen 1,2 bis 1,5 Mio. Euro und 50 bis 60 versicherten Schäden für die Hamburger Feuerkasse und die Provinzial Nord Brandkasse aus. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Schäden an Wohngebäuden. Circa 40 dieser Schäden entfallen auf die Hamburger Feuerkasse", teilte der Versicherer auf Anfrage von VWheute mit.

Deutliche Kritik an Scholz

Die Opposition sieht Hamburgs Ersten Bürgermeister jedenfalls in der Pflicht: "Kanzlerin Angela Merkel sowie der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz sind jetzt in der Pflicht, die Opfer der Randale zügig zu entschädigen. Außerdem sollte die Politik endlich ein grundsätzliches Problem lösen: Ein Laden oder ein Büro, dem die Scheiben eingeschlagen werden, hat hinterher oft Probleme, eine bezahlbare Versicherung zu finden", forderte die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im Sommerinterview mit VWheute.
"Und Scholz ist auch ein schlechter Organisator: Er hätte nie zulassen dürfen, dass die Sicherheit der Hamburger so zur Disposition steht, dass am Ende Millionenschäden zu begleichen sind. Damit hat der Bürgermeister Hamburg, vielen seiner Bürger und dem Ruf der Stadt in der Welt massiv geschadet", ergänzt die Hamburger FDP-Landeschefin Katja Suding im VWheute-Sommerinterview. (vwh/td)
Bildquelle: Alexandra H. / PIXELIO (www.pixelio.de)
Hamburg · G20
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