Schlaglicht

Schmierentheater um Carsten Maschmeyer

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Geschichte des Strukturvertriebs soll neu geschrieben werden. Ex-AWD-Mitarbeiter Stefan Schabirosky behauptet, dass er Carsten Maschmeyer gezielt diffamiert habe - mit tatkräftiger Unterstützung der DVAG. Sie weist die Vorwürfe jedoch "entschieden zurück." Unklar ist, welche Rolle Maschmeyer spielt. Fest steht: Es geht um den guten Ruf und die Reinwaschung eines nicht immer ganz Reinen.
2003 wurde Stefan Schabirosky nach zehn Jahren wegen interner Streitigkeiten beim AWD entlassen. Daraufhin schmiedete er einen Racheplan, den er großspurig "Unternehmen Donnerwetter" nannte, und diente sich dem Erzrivalen an, der DVAG. Diese stellte ihn offiziell als Controller ein und zahlte ihm 6.000 Euro monatlich, damit er nichts anderes tut, um mit seinem Insiderwissen das öffentliche Erscheinungsbild AWD zu zerstören.
Das alles behauptet Schabirosky in seinen dieser Tage als Buch ("Mein Auftrag: Rufmord", Herbig Verlag) erscheinenden Bekenntnissen, unterlegt mit viel Beweismaterial durch Mailwechsel, die er mit Journalisten vom Spiegel, Stern, Süddeutscher Zeitung oder auch dem NDR geführt hat. Dabei hat Schabirosky nach eigener Aussage die Journalisten mit Halbwahrheiten, Lügen und zurechtfrisiertem internem Zahlenmaterial über Maschmeyers AWD gefüttert. "Die Presse stieg auf meine Story ein", berichtet der selbst ernannte Rufmörder stolz. "Meine Kampagne lief wie geschmiert: Ich ersann wilde Verdächtigungen gegen den AWD. Von der DVAG finanzierte Juristen machten daraus wohlklingende Schriftsätze an Behörden, mit denen ich bei Journalisten hausieren ging."

Drückerkönig gibt Freigabe für erneuten Verrat

Durch zahlreiche Veröffentlichungen in mehreren Medien wurde dann tatsächlich Maschmeyers Image stark beschädigt. Heribert Prantl, Mitglied der SZ-Chefredaktion, hält dagegen: "Von unseren Inhalten muss nichts zurückgenommen werden. Wir haben uns stets auf verschiedene Quellen gestützt. Die Fakten, die wir aufgedeckt haben, stehen nicht infrage."
2008 verkaufte Maschmeyer den AWD an den Versicherungskonzern Swiss Life. Schabirosky wähnte sich am Ziel und hoffte auf die angeblich vertraglich festgelegte Erfolsprämie. Nachdem die DVAG, wo Schabirosky nach eigenen Angaben unter anderem mit deren langjährigem Top-Manager und ehemaligem Kanzleramtsminister Friedrich Bohl verhandelt hat, nicht eine von ihm gewünschte Extra-Prämie für die PR-Leistung zahlen wollte, wandte sich der Autor an Carsten Maschmeyer. Dabei sei dann der Entschluss entstanden, das Buch zu schreiben.
Unklar bleibt, wie stark Maschmeyer bei der Verfassung des Buchs mitwirkte und ob er Schabirosky finanziell dabei unterstützte. Der ehemalige AWD-Chef soll im Frühling 2018 in einer eigenen Sat.1-Show zu sehen sein.
Schabirosky selbst stellt sich als großer Strippenzieher dar. Reihenweise seien Journalisten auf der Suche nach einer kritischen Enthüllungsstory über den AWD und Maschmeyer auf seine Infos hereingefallen. Doch das scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Kritik am AWD gab es schon vor dem Ausscheiden von Schabirosky im Jahr 2003 . Der verlustreiche Drei-Länder-Fonds etwa, den der AWD früher vertrieben hatte, war schon zuvor ein öffentliches Thema.

Eidesstattliche Versicherung rettet DVAG

Der von dem Buchautor benannte Auftraggeber hat inzwischen eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin erklärt die DVAG, Schabirosky sei nach seinem Bruch mit dem Konkurrenten AWD eingestellt worden, weil er "über umfassende Branchenkenntnisse im Allgemeinen verfügte". Er sei eigenverantwortlich tätig gewesen und habe weder Weisungen noch konkrete Aufträge seitens der DVAG erhalten.
"Nachdem keine verwertbaren Arbeitsergebnisse geliefert wurden und die Erkenntnis reifte, dass Schabirosky überwiegend und auf Kosten der DVAG einen persönlichen Rachefeldzug gegen den AWD führte, trennte sich die DVAG Ende 2008 von Schabirosky." Dieser habe in diesem Kontext eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass mögliche Missachtungen von Gesetzen auf sein eigenes "Tun und Handeln ohne Wissen, ohne Weisung der DVAG geschehen" seien.
Dennoch bedarf es viel juristischen Klärungsbedarf, schließlich wurde Kursmanipulation und Datendiebstahl betrieben. Feststeht, dass Opfer und Täter nicht mehr so leicht auseinander zu halten sind. (vwh/dg/mst)
Bild: Carsten Maschmeyer hat sich zu den Enthüllungen über eine "Schmutz-Kampagne" bisher nicht geäußert. (Quelle: www.carsten-maschmeyer.de)
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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Der Versicherungskonzern Talanx ist mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2017 nach den Worten von Vorstandschef Herbert K. Haas sehr zufrieden. Daher passt der Vorstand den Ausblick für das Gesamtjahr nach oben an. Die Gewinnprognose wird um 50 Mio. Euro auf 850 Mio. Euro erhöht. Aber auch die Prämieneinnahmen sollen deutlich stärker steigen als prognostiziert.
Das Thema der Honorarberatung ist mit IDD erneut ins Blickfeld der Branche gerückt. Im VWheute-Sommerinterview bekräftigt der Grünen-Politiker Gerhard Schick den Wunsch nach "mehr unabhängiger Honorarberatung im Versicherungsvertrieb". So biete "ein eigenständiges und wettbewerbsfähiges Berufsbild des unabhängigen Honorarberaters eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive".
Die Fakten: OVB hat im ersten Halbjahr die Kundenanzahl um 1,3 Prozent auf 3,3 Millionen Kunden gesteigert, bei den Gesamtvertriebsprovisionen 1,1 Prozent eingebüßt (aktuell: 114,5 Mio. Euro) und beim operativen Ergebnis einen Rückgang von 0,2 Mio. auf 7,8 Mio. Euro zu verzeichnen, teilweise wegen der "geplanten Ausweitung der Investitionen". Das hat Auswirkungen bei der Jahresprognose.
AWD · DVAG · Carsten Maschmeyer
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