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Tief "Alfred" verursacht zweistelligen Millionenschaden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Tief "Alfred" hat in Deutschland viele Wohnungen und noch mehr Keller unter Wasser gesetzt. Onnen Siems, Geschäftsführer der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss, rechnet mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich. Im Zentrum des Geschehens: Die niedersächsische Stadt Goslar, wo besonders die Altstadt unter den Wassermassen gelitten hat.
Nach einem Bericht der Tagesschau war ein Streifen vom südlichen Niedersachsen über Teile Hessens und Thüringens bis nach Nordbayern besonders stark vom Tief betroffen. Dort fiel innerhalb von 48 Stunden mehr Regen als sonst im ganzen Juli. Schlimmere Schäden haben die Deiche verhindert, sagen Experten, doch alles konnte nicht verhindert werden.

Goslar im Zentrum des Geschehens

Meyerthole Siems Kohlruss meldet, dass besonders Goslar Schäden zu beklagen hatte, insbesondere die Altstadt musste unter dem Wasser leiden. Dort seien "tausende Haushalte" betroffen, allerdings würden sich die versicherten Schäden "in Grenzen halten".
Die Absicherung vieler Häuser gegen Elementarschäden sei allerdings gering. "In Niedersachsen ist die Elementaranbindung mit 18 Prozent im Vergleich zu anderen Bundesländern generell schon sehr gering", erläutert Onnen Siems.

Studie zeichnet Schreckensszenario für Klimawandel

Eine Studie des Joint Research Centre der Europäischen Kommission im italienischen Ispra kommt nun zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel immer öfter Extremwetter zur Folge haben. In einer Modellrechnung haben die Wissenschaftler eine Prognose erstellt, wie sich die Folgen der extremen Wetterereignisse künftig auf das Leben in Europa auswirken könnten.
So rechnen die Studienautoren vor, dass allein von 2071 bis 2100 in der Europäischen Union (EU), der Schweiz, Norwegen und Island jährlich sogar 80.000 bis 240.000 Menschen durch die Folgen des Klimawandels sterben könnten. Dafür hatten die Wissenschaftler etwa 2.300 Berichte über die Folgen von extremem Wettergeschehen aus den Jahren 1981 bis 2010 ausgewertet, darunter auch Auswertungen des Rückversicherers Munich Re.
Auf der Basis dieser Modellrechnungen kommen die Studienautoren zu folgendem Ergebnis: Demnach seien von 1981 bis 2010 im Durchschnitt etwa 3.000 Europäer durch Wetterkatastrophen gestorben. Ohne weitere Anpassungsmaßnahmen werden es nach Angaben der Forscher von 2041 bis 2070 jährlich etwa 48.000 bis 180.000 sein und von 2071 bis 2100 jährlich etwa 81.000 bis 240.000.
Zu den sieben gefährlichsten Extremwetterereignisse zählen die Wissenschaftler demnach Überschwemmungen an Flüssen und an der Küste, Dürren, Waldbrände, Stürme sowie Kälte- und Hitzewellen. Allein 99 Prozent der wetterbedingten Todesopfer könnten demnach auf hohe Temperaturen zurückzuführen sein. Dabei rechnen die Klimaforscher allein in Südeuropa mit rund 700 pro einer Million Einwohner für den Modellzeitraum von 2071 bis 2100.
In Zentraleuropa (Deutschland, Schweiz, Österreich und Tschechien) seien immerhin 64 Prozent von den Folgen betroffen. So könnten hier bis zum Ende des Jahrhunderts wetterbedingt 232 Tote pro Jahr und einer Million Einwohner zu beklagen sein. In Nordeuropa wären hingegen nur 36 Prozent der Bevölkerung betroffen mit jährlich lediglich drei Toten pro einer Million Einwohner.
"Der Klimawandel ist eine der größten globalen Bedrohungen für die menschliche Gesundheit im 21. Jahrhundert", betont Forschungleiter Giovanni Forzieri. "Wir haben seit 1980 einen deutlichen Anstieg der wetterbedingten schadenrelevanten Ereignisse", ergänzt Peter Höppe, Chef der Georisikoforschung. "Bei den geophysikalischen Schadenereignissen - also Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis - gibt es dagegen keinen vergleichbaren Anstieg", wird der Experte beim Nachrichtensender n-tv zitiert.
"So haben etwa die Hochwasserschäden an Flüssen stark abgenommen. Das liegt an verbessertem Hochwasserschutz", erläutert Höppe. Gleichzeitig gebe es einen signifikanten Anstieg der Schäden durch Gewitterereignisse. "Gegen Gewitter kann man sich nicht so gut schützen wie gegen Flussüberschwemmungen, gegen materielle Schäden durch starke Tornados kann man eigentlich gar nichts tun", erläutert der Geoforscher der Munich Re.
"Der Klimawandel verursacht in jedem Fall Kosten - entweder durch die erhöhten Präventionskosten oder durch Schäden, wenn die Vorsorge unterblieben oder nicht möglich ist", ergänzt Höppe.

Weniger Blitzeinschläge im Jahr 2016

Immerhin verzeichnete der Blitz-Informationsdienst von Siemens im vergangenen Jahr deutlich weniger Blitzeinschläge als in den Jahren zuvor. So verzeichneten die Wetterforscher im vergangegen Jahr insgesamt 431.644 Blitzeinschläge in Deutschland. Die höchste Dichte verzeichneten demnach Hamburg (1.215 Blitze) und Nordrhein-Westfalen (56.151 Blitze) mit einer Blitzdichte von 1,65 Blitzen pro Quadratkilometer, gefolgt von Berlin (1.333 Blitze) mit einer Blitzdichte von 1,50 Blitzen pro Quadratkilometer. Schlusslichter waren Thüringen (12.057 Blitze) mit einer Dichte von 0,75 Blitzen, Sachsen-Anhalt (14.747 Blitze) mit 0,72 Blitzen und Schleswig-Holstein (10.882 Blitze) mit 0,69 Blitzen pro Quadratkilometer.
"Blitz-Hauptstadt" Deutschlands ist demnach der Landkreis Wesel in Nordrhein-Westfalen mit 4,1 Blitzen pro Quadratkilometer und insgesamt 4.297. Auf Platz zwei und drei landeten die bayerische Stadt Aschaffenburg und der nordrhein-westfälische Landkreis Borken mit jeweils rund 3,8. Die wenigsten Gewitter verzeichneten hingegen Flensburg (zehn Blitze bzw. 0,21 Blitze pro Quadtratkilometer), Frankfurt an der Oder (31 Blitze bzw. 0,21 Blitze pro Quadtratkilometer) und Fürth (17 Blitze bzw. 0,27 Blitze pro Quadtratkilometer). (vwh/td/mv)
Bild: Goslar (Quelle: Meinhard Siegmundt / PIXELIO / www.pixelio.de)
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