Schlaglicht

Raus aus der digitalen Sackgasse

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Kommentar von Sven Brose und Dirk Stähler. Versicherern in Deutschland fehlt der klare Kurs zur Digitalisierung. Die Übertragung analoger Geschäftsmodelle in die digitale Welt führt in eine Sackgasse. Erst wenn die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle komplett digital aufziehen und neue Angebote für Kunden entwickeln, schaffen sie den Wandel zum Versicherer 4.0. Noch müssen die Marktakteure viel dazulernen.
Wichtig ist ein Zielbild, auf dem die künftigen Prozesse klar erkennbar sind. Eine übergreifende Aussage einer solchen digitalen Landkarte lautet zum Beispiel: "Alle Akteure werden aktiv eingebunden. Kunden bearbeiten einen hohen Anteil der Prozesse eigenständig und interaktiv. Intelligente Metriken überwachen die Prozesse und liefern aktuelle Steuerungsinformationen für die Leitungsebenen". Die Produktlandschaft dahinter orientiert sich hierbei sowohl konsequent am Kunden wie am Versicherer.
Für die Ableitung konkreter Projekte und die Entwicklung neuer Ideen können Versicherer auf unterschiedliche Managementtechniken und Methoden zurückgreifen.
Mit Design Thinking lassen sich bestehende Geschäftsmodelle komplett auseinandernehmen, jeder Punkt aus Sicht des Kunden betrachten und mit neuen Ideen zusammensetzen. Kreativitätstechniken helfen, verfestigte Gewohnheiten und Paradigmen zu durchbrechen. Brainstorming und Befragungstechniken identifizieren diese Annahmen und hinterfragen diese.

Neustart im Schadenmanagement

Versicherer mit dem Ziel eines digitalen Neustarts wählen oftmals das Schadenmanagement für den Einstieg. Schadenmanagement 4.0 führt zu einem hohen Grad an Automatisierung, reduziert die Kostenquoten nachhaltig und testet auf einfachem Weg Angebote für digital affine Kunden. Es verbindet strategische, organisatorische und technische Aspekte digitaler Verbesserungen in einem Kernprozessbereich.
Folgende Lösungen sind denkbar. Kleinschäden reguliert der Kunde selbst, der Prozess wird komplett automatisiert. Für mittlere Schäden erhalten Schadenmitarbeiter durch intelligente Systeme Empfehlungen, ob sie dem Kunden eine klassische Barauszahlung oder eine alternative Entschädigung anbieten. Großschäden werden durch den Schadenexperten bearbeitet. Die digitale Landkarte beschreibt dazu alle relevanten Veränderungen.
Der skizzierte methodische Ansatz lässt sich universal einsetzen, nicht nur im Schadenmanagement. Versicherer gehen damit einen nachhaltigen Weg in die Digitalisierung.
Autoren: Sven Brose, Manager Insurance bei Sopra Steria Consulting, Dirk Stähler, Head of Strategy & Operations bei GBTEC Software + Consulting AG. (Bildquelle: Jens Goetzke / PIXELIO /www.pixelio.de)
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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Nach drei Streikwellen sowie zwei Monaten Sendepause zwischen den Gewerkschaften und dem Arbeitgeberverband kommt wieder Bewegung in die Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag in der Versicherungswirtschaft. Am 30. August 2017 wollen Verdi, DHV und DBV sowie der AGV weiterverhandeln, doch nicht unbedingt über die gleichen Themen.
Das Rekordquartal der Allianz hat es möglich gemacht: Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte kann seine lang erhoffte erste Übernahme vermelden. So bestätigte die Allianz am Freitag die Gründung des Joint Venture LV= General Insurance mit dem britischen Versicherer Liverpool Victoria Friendly Society. Zudem beteiligt sich die Allianz an der spanischen Gas Natural SDG SA.
Die Digitalisierung hält auch im Versicherungstandort Bayern Einzug. Für Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ist das Ziel im VWheute-Sommerinterview klar: "Im Silicon Valley, London und Singapur entstehen bereits Wissenszentren für Insurtech. Dies ist der Maßstab, an dem sich der Hub in den nächsten Jahren orientieren wird. Hier wollen wir vorne mitspielen".
Sopra Steria Consulting · Sven Brose · Dirk Stähler · GBTEC
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