Politik & Regulierung

Arbeitskampf geht in die Verlängerung

Von Dominic EggerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach drei Streikwellen sowie zwei Monaten Sendepause zwischen den Gewerkschaften und dem Arbeitgeberverband kommt wieder Bewegung in die Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag in der Versicherungswirtschaft. Am 30. August 2017 wollen Verdi, DHV und DBV sowie der AGV weiterverhandeln, doch nicht unbedingt über die gleichen Themen.
Zwar kann der AGV weitere Streiks in diesem Monat wohl verhindern, doch bleibt ein einziger Verhandlungstermin, dann muss der Tarifvertrag stehen. Mehr haben Gewerkschaften und Arbeitgeberverband bei ihrem "zeitaufwändigen und intensiven" Sondierungsgespräch am vergangenen Donnerstag nicht vereinbart – nur, dass sie über weitere Absprachen Stillschweigen bewahren. Das Gespräch war nötig geworden, nachdem am 2. Juni die Verhandlungen gescheitert waren.
Die Debeka und weitere, bisher verschonte Unternehmen werde Verdi ebenfalls bestreiken, sollte wieder keine Einigung mit dem AGV gefunden werden, sagt Frank Fassin, Leiter des Verdi-Landesfachbereichs Finanzdienstleistungen in NRW. "Viele tausend Versicherungsbeschäftigte" habe die Gewerkschaft nach eigener Auskunft in den letzten Wochen auf die Straße gebracht, damit teilweise sogar einzelne Abteilungen lahmgelegt. Manche Kunden erreichten nur das Tonband.
Bei der Digitalisierung wird es sich entscheiden
Noch vor einer Gehaltserhöhung jenseits der Inflationsrate will die Gewerkschaft Verdi eigentlich einen zusätzlichen "Zukunftstarifvertrag Digitalisierung" mit den Arbeitgebern verhandeln. 18 Punkte umfasst das Forderungspaket, welches die digitale Transformation sozial verträglich gestalten soll. Darunter findet sich der Vorschlag eines Weiterbildungsfonds, finanziert von allen Versicherern offen, für alle Beschäftigte sowie der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Der AGV weigerte sich während dreier Tarif-Runden, überhaupt über einen solchen Vertrag zu sprechen.
"Materielle Zugeständnisse", betont der AGV, seien auch im Sondierungsgespräch weder beim Gehalt noch beim Thema Digitalisierung gemacht worden. Verdi-Mann Fassin jedoch sieht  hüben und drüben Bewegung: Verdi und AGV würden sich nur deshalb treffen, weil beide Seite eine Einigung bei der vierten Runde für wahrscheinlich halten. Einen möglichen Weg aus der Sackgasse beim Thema Digitalisierung sieht Fassin ebenfalls. Verdi wäre bereit, einzelne der 18 Forderungen zu vertagen. Der AGV habe seinerseits seine kategorische Ablehnung aufgeben, prüfe, ob doch über einen der Punkte verhandelt werden könne.

Der Ball liegt im Feld des AGV

Auch Michael Niebler, geschäftsführendes AGV-Vorstandsmitglied, glaubt, dass der vierte Verhandlungstermin den Durchbruch bringt. Schließlich kämen etliche Personen beider Tarifparteien extra aus ihrem Urlaub, um weiterzuverhandeln. Darüber hinaus äußern will Niebler sich nicht, nur weist er darauf hin, dass die Tarifkommission sehr wohl ein vollständiges Mandat besitzt, alle Tarif-Themen für seine AGV-Mitglieder zu verhandeln. Schließlich seien Verhandlungsgruppe und Vereinsvorstand miteinander identisch. Ob der AGV-Vorstand das auch will, zeigt sich am 30. August. (de)
Bild: Andreas Eurich und die AGV-Tarifkommission am dritten Verhandlungstag in Hamburg (Quelle: Verdi)
AGV · Verdi · Digitalisierung · Tarifverhandlung
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