Unternehmen & Management

Hat die deutsche Start-up-Szene eine Chance?

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Was ist das Level, auf dem der Krieg geführt wird?" Diese provokante Frage stellte der Investor Klaus Hommels vor wenigen Tagen in München. Damit stellt der ehemalige AOL-Manager den Digitalisierungsansatz einer ganze Branche in Frage, die ihre Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft einzig aus dem Credo bezieht: Der Kunde steht im Mittelpunkt. Das ist der falsche Ansatz, zeigt sich der 51-jährige überzeugt.
Kunden bedeuten Daten und an die kommt die Branche in Zukunft nicht unbedingt selbstverständlich heran. Auch beim Theme Regulatorik würden die falschen Prioritäten gesetzt, so Hommels in seiner Philippika. Beispiel Masayoshi Son, Gründer von Softbank. Der hat jüngst einen 93 Mrd. Euro-Fond aufgelegt, dabei zweistellige Milliarden-Beträge bei Saudis, Kataris, Google und Apple eingesammelt.
Damit kauft sich der Fond in den nächsten zehn Jahren in jedes relevante Start-up ein, nicht nur aus der Versicherungswirtschaft sondern auch aus der Finanzwirtschaft und hat am Ende, wie von selbst, die zukünftig wichtigsten Player als Schnellboote an seinem Hafen vertäut. So wird der Kampf auf einer völlig anderen Ebene geführt, ist sich Hommels sicher. Daher seien hier in Europa und speziell in Deutschland andere Angriffsstrategien notwendig: Mehr Miteinander, auch branchenübergreifend, statt Einzelaktionen so Hommels.
Mit Blick auf den Bankensektor, der nach Ansicht von Experten der Versicherungsbranche bei vielen Themen drei bis vier Jahre voraus ist, monierte Michael Sittek, Managing Director bei IDnow, einem Anbieter für Video-Ident und eSigning-Produkte, dass die Unternehmen immer noch in ihrem Cocon lebten und Start-up-Unternehmen und Versicherer "noch aneinander vorbei laufen". Jetzt wäre es an der Zeit zumindest mit der Bankwirtschaft aufzuschließen.
Das versucht zumindest Ottonova mit dessen Gründer und CEO Roman Rittweger an der Spitze. Rittweger und sein Team haben sich nichts weniger als die vollständige Digitaisierung der privaten Krankenversicherung auf die Fahnen geschrieben und nach immer weiter verzögertem Start, die Bühne und den Rahmen der Veranstaltung in München genutzt um ihren Ansatz und ihre Ziele zu erläutern. Benannt nach Otto von Bismarck soll bei Ottonova vom Vertragsabschluss bis zur Rechnung alles in Null und Eins übersetzt und damit der Geldbeutel der Kundschaft geschont werden.
Datenanalyse wird immer wichtiger, aber auch das Know how der alt eingesessenen Versicherer sei unverzichtbar, so der Risikoforscher Andreas Richter vom Institut für Risikomanagement und Versicherung an der LMU München in seinem Beitrag. Digitalisierungsthemen drängen sich immer stärker ins universitäte Curriculum und damit reagiert man auch ausbildungsseitig auf den wachsenden Bedarf an IT-Fachleuten. Talente würden in München nicht nur gesucht, sondern auch ausgebildet.
Ein Cluster an Hochschulen, wie die Bundeswehr Universität, die TU und LMU, sowie die Institute der Versicherer selbst markieren den bajuwarischen Nukleus, besonders mit den Versicherern seien die Kontakte institutionalisiert, so der Wissenschaftler. Zum Abschluss monierte Richter, die Versicherer hätten sich etwas spät mit dem Thema Digitalisierung befasst. Besser spät als nie, möchte man hinzufügen.
(vwh/ak)
Bild: Ottonova Gründer und CEO Roman Rittweger beim Festakt zur Eröffnung des Digital Hub InsurTec im Münchener Werk 1. (Quelle: ak)
Start-up · Ottonova
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