Köpfe & Positionen

Bürgerversicherung: Lauterbach fürchtet keinen Jobabbau

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach ist kein Fan der PKV. In einem Interview mit dem Tagesspiegel erläutert der Professor für Gesundheitsökonomie die Vorteile einer Bürgerversicherung und bestätigt, dass die Krankenversicherung für alle auch bei einer erneuten Kanzlerschaft Angela Merkels Thema bleiben wird: "Die Bürgerversicherung hat für uns sehr hohe politische Priorität." Die Debatte um einen Jobverlust hält er hingegen für eine Scheindiskussion.
Nach Ansicht von Lauterbach will eine große Mehrheit der Deutschen die Bürgerversicherung einführen, er spricht von "70 Prozent der Bürger". Die SPD folge demnach dem "Wunsch der Bürger". Er möchte allen Privatversicherten ermöglichen, in die dann entstehende Bürgerversicherung zu wechseln, weiterhin soll jeder Berufseinsteiger "automatisch Mitglied werden", erläutert Lauterbach. Für die Wechselunwilligen könnte es dann sehr teuer werden, "die tragen dann natürlich ein hohes finanzielles Risiko. Die Beiträge der PKV steigen ja schon jetzt sehr stark an. Das wird sich dann natürlich noch verschärfen."

Das Geld der Versicherten

Die Frage nach den Altersrückstellungen der Privatversicherten, rund 230 Mrd. Euro, ist weiter offen. Letztlich müsste wohl ein Gericht die Entscheidung treffen, wem das Geld zusteht. "Ich würde mich freuen, wenn dieses Geld auch an die Versicherten ausgezahlt werden könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber völlig offen. [...] Wahrscheinlich muss darüber das Bundesverfassungsgericht entscheiden."
Zum Thema Ärztevergütung äußert sich Lauterbach ebenfalls: "Wir sorgen dafür, dass den Ärzten in der Summe keine Honorare durch die Hintertür gekürzt werden." Einige Ärztegruppen, Labormediziner und "Radiologen mit vielen Privatversicherten", könnten fallende Umsätze zu beklagen haben, aber das Geld soll insgesamt "gerechter verteilt werden".
Die Einführung einer Bürgerversicherung werde viele Jobs kosten, wird in der Diskussion um das Gesundheitssystem oft von Befürwortern des Zwei-Klassen-Systems angeführt. Für den Politiker eine Scheindiskussion: "Wir rechnen netto mit keinem Verlust an Arbeitsplätzen. Aber natürlich wird man welche verlagern müssen." (vwh/mv)
Bild: Karl Lauterbach (Quelle: SPD)
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