Schlaglicht

Digitales Afrika: Bäte und Co. sehen Wachstumspotenzial

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Digitalisierung steht bei der Allianz seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Oliver Bäte bekanntlich ganz oben auf der Agenda. Bei der Eröffnung der 44. jährlichen Versicherungskonferenz im südafrikanischen Sun City hat er nun durchblicken lassen, dass er in Afrika den digitalen Markt der Zukunft sieht: "Während sich Europa bei der Digitalisierung noch im Transformationsprozess befindet, ist Afrika von Grund auf digital".
Sonderlich überraschend ist diese Erkenntnis allerdings nicht, denn in afrikanischen Ländern kommunizieren Menschen mit geringem Einkommen fast ausschließlich mittels Handys und Smartphones. Das hat Konsequenzen für den Versicherungsvertrieb: 44 Prozent der Policen werden durch andere Anbieter als Makler oder Vermittler (diese kommen nur auf 27 Prozent) verkauft. Hierunter zählen vor allem die Mobilfunkanbieter, andere Massenmedien und sogar Beerdigungsinstitute.
Genau darin sieht Allianz-Chef Bäte die große Chance für Versicherer. So gehöre allein die Mobilfunkbranche "mit geschätzten 1,2 Milliarden afrikanischen Kunden bis 2018 der am schnellsten wachsende Sektor und Innovationstreiber auf dem Kontinent". Und Bäte weiter: "Die weite Verbreitung von Internet und Mobilfunk ermöglicht afrikanischen Ländern Innovationssprünge. Afrikanische Kunden werden zu Recht Innovationen auf dem dortigen Versicherungsmarkt einfordern und vorantreiben, da sie vollständig digitalisierte Angebote und Kanäle erwarten. Dies und die Tatsache, dass Regelungen und Verordnungen Neuerungen im Finanzdienstleistungsbereich begünstigen, versetzen Afrika in eine gute Lage, um zukünftig die Spitzenposition in der digitalen Versicherung einzunehmen."
Jedenfalls scheint die Allianz schon seit längerem ein Auge auf den afrikanischen Versicherungsmarkt geworfen zu haben. In mittlerweile 16 afrikanischen Ländern ist der Konzern bereits vertreten. Jüngstes Beispiel ist der Kauf des marokkanischen Versicherers Zurich Assurances Maroc im Juni 2016. Schlappe 244 Mio. Euro hat sich der Münchener Versicherer den Kauf der Zurich-Tochter kosten lassen.

Enormes Wachstumspotenzial auf afrikanischem Versicherungsmarkt

Dennoch spielt nicht nur die Kombination aus Versicherung und Mobilfunk eine wesentliche Rolle für europäische Versicherungskonzerne. Enormes Potenzial in den afrikanischen Wachstumsmärkten besteht vor allem im Hinblick auf sämtliche Fragestellungen rund um die Absicherung von Großprojekten, die zur Verbesserung der Infrastruktur und Energieversorgung überall auf dem Kontinent umgesetzt werden, konstatierte Marcus Felsner, Rechtsanwalt und Geschäftsführen­der Partner des Beratungs- und Prüfungsunternehmens Rödl & Partner, bereits 2015 in einem Gastbeitrag für das Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft.
Den Regierungen der afrikanischen Top-Märkte liegt jedenfalls viel daran, das Wirtschaftswachstum durch die möglichst schnelle Verbesserung der Rahmenbedingungen in den Ländern zu fördern. Dabei bietet der afrikanische Versicherungsmarkt ein sehr heterogenes Bild. So gibt es einerseits die landwirtschaftliche Mikro-Versicherung, die den Lebensstandard der am Existenzminimum lebenden Landbevölkerung in den zentralafrikanischen Staaten verbessern soll. Andererseits findet sich in Südafrika eine der höchsten Versicherungsdurchdringungen weltweit (2012: 14,2 Prozent).

Unterschiedliche Entwicklungsphasen

Gleichzeitig lässt sich das Thema Versicherung auf dem afrikanischen Kontinent nicht nur auf den Bereich der landwirtschaftlichen Mikro-Versicherung reduzieren. Wie der gesamte Kontinent, mit einer Milliarde Bewohnern, mehr als 2.000 Sprachen und sechs Zeitzonen, befindet sich der Versicherungsmarkt in sehr unterschiedlichen Entwicklungsphasen. "In einer Anzahl von Ländern sind die regulatorischen Voraussetzungen mit denen von Europa vergleichbar und die lokalen Gesellschaften nach einem sehr hohen Standard geführt und wettbewerbsfähig", betont Lukas Müller, Head North & Sub Saharan Africa bei Swiss Re. In anderen Ländern ist man hingegen noch weit von diesen Standards entfernt.
Allianz-Chef Bäte sieht aktuell dennoch mehr Chancen als Risiken: "Versicherungsunternehmen haben der afrikanischen Wirtschaft viel zu bieten. Die Digitalisierung erlaubt es uns, wesentlich mehr über unsere privaten und institutionellen Kunden zu erfahren und somit ihren Bedürfnissen besser gerecht zu werden. Wir glauben fest an das langfristige Wachstumspotenzial in Afrika und werden unsere globale Präsenz und umfassende Expertise nutzen, um unsere Marktposition zu stärken und afrikanische Talente anzuziehen". (vwh/td)
Bild: Ulla Trampert / PIXELIO (www.pixelio.de)
Allianz · Versicherungsmarkt · Afrika · Digitalisierung · Oliver Bäte
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