Politik & Regulierung

EZB berät im Herbst über Zukunft der Anleihekäufe

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hält unbeirrt an ihrem Kurs der Nullzinspolitik fest. So halten die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi weiterhin an einer möglichen Erhöhung des Volumens bei ihrem milliardenschweren Anleihekaufprogramm unverändert fest. Beobachter hatten im Vorfeld ein erstes Signal für eine geldpolitische Wende gerechnet.
Und dennoch gaben die europäischen Notenbanker bereits ein Signal für eine mögliche Zeitenwende: Demnach will die EZB im Herbst über die Zukunft ihrer umstrittenen Anleihenkäufe beraten, berichtet das Handelsblatt. "Wir haben einfach nur gesagt, unsere Diskussionen sollten im Herbst stattfinden", wird EZB-Präsident Mario Draghi zitiert.
"Dies wird der Einstieg in den Ausstieg und somit ein Politikwechsel sein", kommentiert NordLB-Experte Christian Lips. "Die EZB hat heute vermittelt, dass sie nur sehr langsam aus der ultra-expansiven Geldpolitik aussteigen wird", ergänzt Alexander Krüger vom Bankhaus.
Dennoch hält die Kritik am geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank - wenig überraschend - weiter an. "Das Festhalten der EZB an der Politik des billigen Geldes ist ein verheerendes Signal für die Stabilität in der Eurozone. Der Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen hat inzwischen die Schwelle von 1.500 Mrd. Euro überschritten, bis Dezember werden es 2.200 Mrd. Euro sein. Das heizt die horrende Verschuldung vor allem der Südländer weiter an", kommentiert Mittelstandspräsident Mario Ohoven.
Zudem bricht er für den deutschen Sparer eine deutliche Lanze: "Herr Draghi enteignet zudem fortgesetzt Deutschlands Sparer. Seine Niedrigzinspolitik hat die deutschen Sparer nach Berechnungen von Experten seit 2010 bereits 436 Milliarden Euro gekostet. Im laufenden Jahr dürften noch einmal über 90 Mrd. Euro hinzukommen. Mit dieser Politik fördert die EZB den weitverbreiteten Unmut über Europa und den Euro."
Für Ludovic Subran, Chefvolkswirt des Kreditversicherers Euler Hermes ist dennoch klar: "Die positiven Signale von der Kreditseite sprechen für einen baldigen Ausstieg der EZB aus der ultra-lockeren Geldpolitik. Einige Beobachter halten einen geldpolitischen Kurswechsel angesichts der guten Euroraum-Konjunktur für längst überfällig. Dennoch werden der Euro-Wechselkurs und der europäische Anleihenmarkt empfindlich auf die leisesten Andeutungen der EZB reagieren. Am wichtigsten erscheint vor diesem Hintergrund das Erwartungsmanagement der EZB vor der Ankündigung, die monatlichen Anleihekäufe zu verringern". (vwh/td)
Bildquelle: Sandro-Almir Immanuel / PIXELIO (www.pixelio.de)
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