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VdS: Deutschlandweit zwei Einbrüche pro Minute

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Leider wird der mechanische Einbruchschutz meist sträflich vernachlässigt, obwohl dieser sehr wirkungsvoll ist", sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Dieser Aussage würde Florian Scharr, Pressesprecher bei VdS Schadenverhütung, gegenüber VWheute bereitwillig bestätigen. Doch wie sieht wirkungsvoller Schutz aus und kann die Versicherungswirtschaft etwas beisteuern.
VWheute: Erklären sie doch einmal, wie Einbrecher in der Regel vorgehen und wie sich davor geschützt werden kann.
Florian Scharr: Seit Jahren schon dringen die Kriminellen auf immer die gleiche Art in Häuser und Wohnungen ein: Drei Viertel der Einbrüche gelingen durch die Fenster sowie die baugleichen Terrassen- oder Balkontüren. Diese werden mit einem ganz simplen Schraubenzieher am Rahmen aufgehebelt. Wie unfassbar schnell das bei Standardprodukten geht, sehen Sie auf YouTube.
VWheute: Gibt es Unterschiede im Vorgehen in der Stadt und in ländlichen Gebieten – sind eher Häuser oder Wohnungen das Ziel.
Florian Scharr: Grundsätzlich sind Städte eher anonym, ein Vorteil für die Kriminellen. In Dörfern kennt man sich, Fremde fallen eher auf – das mögen Einbrecher gar nicht. Ob Häuser oder Wohnungen, das ist egal, wichtig ist den Tätern ein guter Zugang zu den Fenstern beziehungsweise Terrassen- und Balkontüren. Besonders gefährdet sind Häuser mit hohen, blickdichten Hecken oder ähnliches sowie erkletterbare, blickdichte Balkone. Da können Einbrecher in aller Ruhe agieren. Wichtig sind den Tätern außerdem gute Fluchtmöglichkeiten beispielsweise durch eine nahe Autobahnanbindung.
VWheute: Arbeiten sie bei der Erfassung ihrer Einbruchzahlen, oder bei der Konzeption neuer Produkte, mit Versicherern zusammen, schließlich haben die bestimmt eine Zahlenbasis, die weit in die Vergangenheit reicht und beschäftigen sich auch mit der Zukunft von versicherten Risiken.
Florian Scharr: Natürlich nutzen wir das wichtige Wissen unserer Partner aus der Versicherungswirtschaft wie auch von der Polizei. VdS reagiert auf neue Tätertrends auch sehr schnell mit der Erstellung von eigenen Richtlinien, in denen Gegenmaßnahmen dargestellt werden. Oft werden unsere Vorgaben später in die nationalen oder europäischen Sicherheitsnormen übernommen.
VWheute: Ermöglicht die Falschmontage von Sicherheitstechnik den Einbrechern das Spiel oder ist schlecht immer noch besser als nichts?
Florian Scharr: Die Polizei betont, dass Ursache erfolgreicher Einbrüche trotz vorhandener Schutzmechanismen oft falsch montierte Sicherungstechnik war. Die Täter wissen genau, wie Einbaufehler auszunutzen sind. Deswegen zertifiziert VdS für Sie neben den Produkten auch Errichter von Sicherungstechnik.
VWheute: Es heißt: Wenn ein Einbrecher genug Zeit hat, kommt er in jedes Haus. Empfehlen sie als Experte ihren Kunden neben mechanischem Schutz eine Hausrat- und Wohngebäudeversicherung?
Florian Scharr: Mit jeder Sekunde, die Fenster oder Tür zusätzlichen Widerstand leisten, steigt für die Täter das Risiko, ertappt zu werden. Die meisten Einbrecher geben schon nach ein paar erfolglosen Minuten Herumhebelns auf – und für diese entscheidenden Minuten können Besitzer und auch Mieter ganz einfach sorgen. Das gelingt schon mit kostengünstigen Nachrüstprodukten.
Solche Qualitätsprodukte stoppen selbst die Experten in den VdS-Prüf-Laboratorien. Ich persönlich habe sowohl eine Hausrat- als auch eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen, primär um die noch viel zerstörerischen Gefahren durch Feuer, Wasserrohrbruch etc. abzudecken. Das größte Problem beim Einbruch bleibt die psychische Belastung der Opfer, die sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen. Hier kann keine Versicherung helfen, sondern nur wirksamer Einbruchschutz.
VWheute: Sollten Versicherer eine Mindestanforderung an Sicherheitstechnik fordern und wie könnte das realistischerweise aussehen?
Florian Scharr: Auf jeden Fall. Deutschlandweit wird alle zwei Minuten eingebrochen – natürlich sollten die Versicherer, die im Ernstfall die finanzielle Last der Tat tragen, Schutzmaßnahmen fordern. Durchschnittliche Schadensumme pro Einbruch sind laut GDV 3.250 Euro. Wirksamer Einbruchschutz zahlt sich nicht nur direkt in der Schadenstatistik aus. Ein von seinem Versicherer gut beratener Kunde ist auch ein guter Werbeträger. Profis wie die Versicherer verlassen sich auf das VdS-Qualitätssiegel, welches nur Schutzprodukte erhalten, die in unseren Laboratorien allen Einbrechermethoden und -werkzeugen in der Praxis widerstanden haben.
VWheute: Zu guter Letzt: Was hilft besser gegen dunkle Gestalten, ein riesiger Türriegel, Zerberus im Garten oder die schlecht gelaunte Schwiegermutter im Haus?
Florian Scharr: Ich denke, Präsenz ist der beste Schutz. Allerdings ist fraglich, ob man die schlecht gelaunte Schwiegermutter Tag und Nacht im Haus haben will, und auch Zerberus geht ja mit in den Urlaub oder auf ausgedehnte Spaziergänge. Die einzige, die garantiert 24 Stunden am Tag die Stellung hält und so das traute Heim jederzeit schützt, ist geprüfte Sicherheitstechnik. Der Querriegel muss gar nicht so riesig sein, schützt aber sehr wirkungsvoll. Sicherungen für Fenster und Terrassentüren lassen sich sogar komplett unsichtbar anbringen. Wenn das Heim dann für noch mehr Sicherheit auch bei längerer Abwesenheit der Bewohner durch lange Arbeitstage oder bei blickdichten Grundstücken mit einer Alarmanlage geschützt ist, haben die Langfinger gar keinen Spaß mehr.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Einbau eines Sicherheitsfensters (Quelle: VdS Schadenverhütung)
Hausratversicherung · VdS · VdS Schadenverhütung
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