Politik & Regulierung

Millionen-Schaden durch "Fake-Präsident"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Falsche Chefs - auch "Fake Presidents" genannt - sorgen immer wieder für beträchtliche Schäden. Nun hat ein solcher bei einem norddeutschen Einzelhandelsunternehmen zugeschlagen und dieses um 1,5 Mio. Euro erleichtert. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner heutigen Ausgabe berichtet, ereignete sich der "Raub" bereits am 8. Februar 2017. Als dieser zwei Tage später auffiel, war die erbeutete Summe bereits verschwunden.
Im vorliegenden Fall hatten sich die Betrüger laut Bericht des Wirtschaftsmagazins als Chef Unternehmens ausgegeben und eine Buchhalterin aufgefordert, knapp 1,5 Mio. Euro per Faxanweisung auf ein Konto in Fernost zu transferieren. Angeblich sei dies für ein streng geheimes Projekt vorgesehen. Allerdings fiel der Betrug erst durch einen Zufall auf, als die Buchhalterin weitere 3,5 Mio. Euro überweisen sollte, berichtet die Capital weiter. Dabei hatte die Mitarbeiterin versehentlich ihren echten Chef angemailt.
Jedenfalls habe die Hamburger Kanzlei Hahn Rechtsanwälte nun die beauftragte Bank, die HSBC, auf Schadenersatz verklagt. Die Juristen begründet dies mit der vermeintlichen Mitverantwortung der Bank, weil sie den Betrag transferiert habe. Dabei hätte das Kreditinstitut nach Meinung von Kai-Axel Faubhaber von der Masche der Betrüger wissen müssen. Die HSBC selbst sieht hingegen keine Pflichtverletzung.
Bereits vergangene Woche war bekannt geworden, dass auch die Münchner Hofpfisterei auf die Betrüger hereingefallen ist. Eine Mitarbeiterin der Filialbäckerei hatte bereits im November 2015 1,9 Mio. Euro nach Hongkong überwiesen. Den größten Schaden in Deutschland verzeichnete hingegen der Nürnberger Autozulieferer Leoni mit einem Schaden von rund 40 Mio. Euro.
Die Versicherer sind zumindest alarmiert. "Als Experte für das Vertrauensschaden-Segment bei Euler Hermes kann ich zumindest einen Einblick aus unseren Erfahrungen geben: In den vergangenen drei Jahren haben wir insgesamt etwa 60 Schadensfälle durch sogenannte "Fake-President-Betrüger" verzeichnet. Die Schadenssumme beläuft sich insgesamt auf rund 140 Mio. Euro. Tendenz: steigend", erläuterte unlängst Rüdiger Kirsch, Leiter Schaden und Vertrauensschadenversicherung bei Euler Hermes, gegenüber VWheute.
Zudem geht der Experte "davon aus, dass die Betrugsfälle durch Dritte generell weiter zunehmen werden. In welchen Formen, Ausprägungen und Versionen, ist kaum prognostizierbar, weil sich die Methoden sofort anpassen, wenn sie bekannter werden." (vwh/td)
Bildquelle: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)
Euler Hermes · Betrug · Fake President
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