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Dieselgate bei Daimler betrifft auch D&O-Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Manipulationen der Abgaswerte sind seit dem Volkswagen-Skandal keine Neuigkeit mehr. Nachdem der Wolfsburger Konzern samt Tochterunternehmen Audi nun im Visier der Justiz steht, trifft es nun auch Daimler. Der Vorwurf: Zwischen 2008 bis 2016 soll Daimler mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa und den USA mit einem zu hohen Schadstoffausstoß verkauft haben, berichtet die SZ.
Dabei können die Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft unter dem Aktenzeichen 260 Js 28161/17 auch für manchen Vorstand gefährlich werden. Nach Einschätzung des D&O-Spezialisten VOV könnten sowohl Vorstände als auch leitende Angestellte in Haftung genommen werden, heißt es auf Anfrage von VWheute. Bei fehlerhaften oder unterlassenen Kontrollen können verantwortliche Manager dafür unter Umständen belangt werden, erläutert der D&O-Spezialist. "Wer in herausragender Stellung falsche Entscheidungen trifft, muss möglicherweise aus eigener Tasche zahlen oder seine D&O-Versicherung in Anspruch nehmen", sagt Franz Held, Mitglied der VOV-Geschäftsleitung.
Sollte die Staatsanwaltschaft während der angekündigten Untersuchung zu dem Ergebnis kommen, dass Daimler vorsätzlich getäuscht hat, drohen auch strafrechtliche Konsequenzen, ergänzt der D&O-Experte. In Verbindung mit zivilrechtlichen Auseinandersetzungen übernimmt die D&O-Versicherung dafür häufig auch die anfallenden Verteidigungskosten. Allerdings warnt Held davor, sich allein auf die Unternehmenspolice zu verlassen. "Die Deckungssummen sind bei Schäden dieser Größenordnung schnell ausgeschöpft“, so der D&O-Experte. "Wer nicht auf seinen Kosten sitzen bleiben möchte, sollte auch über eine persönliche Absicherung nachdenken."
Dies gelte umso mehr als die Dieselaffäre zunehmend Kreise zieht. Wer gedacht hat, dass nach den VW-Enthüllungen Schluss ist, wurde eines Besseren belehrt. Betroffen sind möglicherweise nicht nur die Hersteller selbst, sondern eventuell auch Zulieferfirmen und deren Verantwortliche. "Dieselgate dürfte es den Herstellern künftig deutlich schwerer machen, das Management abzusichern", sagt Held. "Auch aus Versicherungssicht hat der Diesel seine besten Zeiten wohl hinter sich."

Droht Fahrverbot für Dieselfahrzeuge?

Nicht versichert hingegen die Kosten für den Rückruf von drei Millionen Fahrzeugen durch den Automobilkonzern. Rund 220 Mio. Euro soll die Aktion kosten. Die Kosten werden dabei "zu 100 Prozent" von der Daimler AG getragen, bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber VWheute. Parallelen zum Abgasskandal bei Volkswagen wollte man jedoch nicht sehen: "Die Entscheidung für die freiwilligen Servicemaßnahmen stehen in keinem Zusammenhang mit öffentlichen Spekulationen", heißt es bei Daimler.
Beim Verwaltungsgericht Stuttgart stößt der Plan zur Nachrüstung hingegen auf Skepsis. So verhandeln die Verwaltungsrichter derzeit ine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Baden-Württemberg. Streitgrund ist laut Handelsblatt der Luftreinhalteplan. Während die DUH ein Fahrverbot erwirken will, bevorzugt das Land an der Nachrüstung alter Autos.
Ein Vertreter der baden-württembergischen Landesregierung plädierte in der gestrigen Verhandlung vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht für eine Nachrüstung alter Dieselfahrzeuge. So könne eine von einigen Autoherstellern in Aussicht gestellte Nachrüstung der Hälfte von Fahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 5 die Luft sauberer machen als Fahrverbote. "Nur auf dieser Basis können wir auf temporäre Fahrverbote verzichten", wird Christoph Erdmenger vom Landesverkehrsministerium zitiert. Verwaltungsrichter Wolfgang Kern äußerte sich hingegen schon skeptisch: Demnach sei die Einschätzung der Landesregierung allerdings "ein Maximum, was wir an Optimismus haben können".
"Was wir heute als Alternative diskutieren, ist eine Luftnummer", kritisiert DUH-Chef Jürgen Resch. Demnach fordern die Umweltschützer laut Bericht ein generelles Fahrverbot für sämtliche Diesel-Fahrzeuge in der Landeshauptstadt, die wegen ihrer Kessellage besondere Probleme mit der Luftverschmutzung habe. (vwh/td)
Bildquelle: Daimler
Daimler · D&O · Diesel
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