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Höchste Zeit für die Zinswende

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Michael Wolgast. In nie gekanntem Ausmaß kauft die EZB seit 2015 monatlich private und staatliche Wertpapiere an. Die konsolidierte Bilanz des Eurosystems hat sich mittlerweile mit über vier Bill. Euro mehr als verdoppelt. War eine derartige geldpolitische Expansion überhaupt notwendig? Man wird den Eindruck nicht los, dass es der EZB mehr um den Zusammenhalt des Euroraums gegangen ist als um die Abwehr einer vermeintlichen Deflationsgefahr.
Zur Beantwortung der Frage, ob die Zeit vielleicht jetzt reif für eine Zinswende im Euroraum sein könnte, kommt es dennoch darauf an, sich in die bisherige Argumentation der EZB und den ökonomischen Datenkranz hineinzuversetzen. Und hier gibt es durchaus vorsichtige Zeichen der Hoffnung:
Die EZB prognostiziert etwa für den Euroraum bis 2019 ein jährliches Wachstum von etwa 1,8 Prozent. Erstmals seit Langem wurden auch die Abwärtsrisiken für die Konjunktur als nicht stärker als die Aufwärtsrisiken, also die Risiken einer Überhitzung, bezeichnet.
Ohnehin kann man den Ansatz der EZB, sich sehr eng auf ein Inflationsziel bei den Konsumentenpreisen von „unter, aber nahe bei 2 Prozent“ zu beziehen, kritisieren. Doch selbst in dieser Logik wird es zunehmend schwieriger, einen geldpolitischen Handlungsbedarf zu definieren.
Zudem hat die Zinswende in den USA zuletzt mit mehreren Erhöhungen der Leitzinsen Fahrt aufgenommen. Die EZB wird sich nicht auf Dauer von der Geldpolitik der Fed abkoppeln können.
Diese Faktoren darf man allerdings nicht überschätzen. Gegen eine geldpolitische Wende sprechen noch immer die hohe Staatsverschuldung und die Lage des Bankensektors in einigen Ländern des Euroraums; zudem ist gerade in Italien die Wirtschaftsentwicklung schwach.
Erste Zinserhöhungen dürfte die EZB aus heutiger Sicht kaum vor 2019 vornehmen. Noch wäre ein Ausstieg aus den ultraniedrigen Zinsen – anders als etwa in Japan – in Deutschland gut verkraftbar.
Voraussetzung hierfür ist aber auch, dass das Niedrigzinsumfeld nicht noch unnötig lange anhält. Umso dringender – um nicht zu sagen: alternativlos – ist daher eine rechtzeitige Zinswende durch die EZB.
Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bild: Dr. Michael Wolgast, Senior Research Fellow an der European School of Management and Technology in Berlin.
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