Politik & Regulierung

EIOPA nimmt Kampf gegen EU-Scheinfirmen auf

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Aufsichtsbehörde EIOPA will in Europa keine Briefkastenfirmen. EIOPA-Präsident Gabriel Bernardino fürchtet, dass Versicherer nach dem Brexit in Europa nur "leere Unternehmenshüllen oder einen Briefkasten" bereitstellen. Das reiche aber nicht aus, "Management und bestimmte Schlüsselfunktionen müssten am richtigen Ort angesiedelt sein", so der Chefaufseher.
Die EIOPA hat die nationalen Aufsichtsbehörden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Diese sollen das Genehmigungsverfahren der EU-Töchter der Versicherer gründlich betreiben und auf eine ausreichende Finanzdeckung achten. Mindestens zehn Prozent der Risiken sollen die Versicherer selbst decken und die Verlagerung wichtiger Funktionen in Verwaltung und Risikomanagement darf nur sehr begrenzt vorgenommen werden.

Das wollen die Aufseher

VWheute wollte es noch genauer wissen und hat in Frankfurt nachgefragt, was die Gründe für die Scheinfirmen sind und welche Befürchtungen die Aufseher plagen. "Der Umzug kostet Geld und Ressourcen. Das intensive Aufrechterhalten bestimmter Funktionen oder der Transfer von Risiken auf den Standort in Großbritannien könnte diese Kosten begrenzen", antwortet EIOPA.
Bei den Risiken befürchten die Aufseher, dass sie keinen oder nur begrenzten Zugriff auf den Dienstleister haben könnten, wenn der seinen Sitz außerhalb der EU hätte. Ebenso könnten Aktivitäten und Entscheidungen der Unternehmen nicht mehr kontrolliert werden. Eine Einflussnahme sei dann nahezu ausgeschlossen. "Es ist wichtig, dass sich die Unternehmen nicht von der Verantwortung für ihre EU-Töchter entziehen können."
Eine Idee ist bis zur Umsetzung einfach nur eine Idee. Doch wie kann das Geschäft mit den Briefkastenfirmen verhindert werden. "EIOPA hat Richtlinien erlassen, denen gefolgt werden muss. Die nationalen Aufsichtsbehörden sollen mit den Unternehmen zusammenarbeiten, um Risiken von vorneherein aufzudecken, dazu haben sie die Kapazitäten."
Weiter heißt es: "EIOPA wird den Fortschritt der Bemühungen ebenso überwachen wie die Einflüsse auf die Finanzstabilität und den Kundenschutz. Weiterhin werden Analysen durchgeführt, der eigene Einfluss sowie oversight-tools genutzt, um die nationalen Aufsichtsbehörden in ihrem Bemühen zu unterstützen." (vwh/mv)
Bild: Briefkasten (Quelle: Klaus-Stricker / PIXELIO / www.pixelio.de)
Eiopa · Brexit · Briefkstenfirmen
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