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Cyberrisiko: Gefürchtet, aber nicht versichert

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Cyber-Angriffe gehören inzwischen auch für kleine oder mittelständische Unternehmen (KMU) zu den größten Risiken. Jedes dritte kleine oder mittelständische Unternehmen schätzt Hackerangriffe, Datenklau, Viren und Trojaner als eines der bedrohlichsten und der für sie am wahrscheinlichsten Risiken ein, doch die Versicherungsdichte ist weiterhin gering. Dies ist das Ergebnis der inzwischen zum vierten Mal durchgeführten "KMU-Studie" der Gothaer.
Danach sichern sich erst neun (2015: 7) Prozent der KMU mit einer Cyberpolice. "Die Risikowahrnehmung von KMUs gegenüber Cyber ist deutlich nach vorne gerückt. Das zeigen auch andere Studien. Der Anteil an Cyberpolicen hat sich trotz hoher medialer Aufmerksamkeit in den letzten zwei Jahren aber kaum verändert", kommentierte Christopher Lohmann, Chef der Gothaer Allgemeinen, die Studie. Für die vom Marktforschungsinstitut Heute und Morgen durchgeführte Studie waren 1.006 Entscheider aus Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern im April und Mai online befragt worden. Da die Befragung vor den jüngsten weltweiten Attacken von Wannacry und Petya stattfand, ist zu vermuten, dass das Risikobewusstsein aktuell höher ist.

Ein Fünftel der Unternehmen hat keinen Virenschutz

Der wertvollste Teil des Betriebs ist für 34 (31) Prozent der Befragten das Computersystem inklusive der Daten, danach folgen mit 23 (23) Prozent das Gebäude und mit 20 (21) Prozent Maschinen. 94 (95) Prozent der Unternehmen haben bei den Daten Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen. 81 (83) Prozent verwenden Virenschutzprogramme, 75 (76) Prozent Firewalls, 66 (67) Prozent sichern ihre Daten mehrfach. "Das heißt aber auch im Umkehrschluss: Eines von fünf Unternehmen hat kein Virenschutzprogramm, eins von vier keine Firewall und eines von drei keine mehrfache Datensicherung", so Lohmann. Kritisch sieht er auch, dass 51 (48) Prozent der Unternehmen keinen Notfallplan für Katastrophen hat und über die Hälfte der Unternehmen ihren Versicherungsschutz höchstens alle zwei Jahre überprüft.
Die Gothaer bietet seit Jahresbeginn Bestandskunden mit mehr als fünf Millionen Euro eine Cyber-Police an. "Mit diesen Kunden wollen wir lernen und dann auch Produkte für kleinere Unternehmen und solche, die noch nicht zu unseren Kunden gehören, entwickeln", sagt Lohmann. Diese Produkteinführung terminiert er auf Anfang 2018. Noch sei "Kumul ein großes Thema, ein Inzident kann dazu führen, dass man im ganzen Portfolio betroffen ist." Perspektivisch will die Gothaer Cyber auch in ihrer seit 13. Juni am Markt befindlichen, vollautomatischen "Gewerbe Protect" anbieten - VWheute berichtete. Die Gothaer-Police wird von der eigenen Ausschließlichkeit, aber auch Maklern und den Kooperationspartnern HUK-Coburg und Debeka verkauft. Für den Gothaer-Cyber-Schutz interessierten sich weitere Versicherer. Derzeit werde über die Art von Kooperationen nachgedacht. Möglich sei auch die Gründung eines speziellen Assekuradeurs.

Versicherer können Mehrwert bieten

Lohmann war zwischen 2013 und Anfang 2017 Geschäftsführer der AGCS und hat somit einen guten Einblick in die Erfahrungen der Allianz mit dem Cyber-Thema, das der Marktführer schon sehr viel früher angegangen ist. "Wie in vielen anderen Bereichen wird das Deckungskonzept in Cyber nicht mehr allein auf den Risikotransfer zu fokussieren sein", so Lohmann. Seiner Einschätzung nach werden Services hier eine wichtige Rolle spielen –"zumal der Versicherer hier einen echten Mehrwert bieten kann." (vwh/lier)
Bild: Pressekonferenz der Gothaer zur KMU-Studie (lier)
Gothaer · Cyberattacken · Cyber-Police · Gewerbeversicherungen · Christopher Lohmann
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