Köpfe & Positionen

Jenssen: Berufsbild Makler ist ein Flickenteppich

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Als Erfolg wertet das Geschäftsführende Vorstand des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM), Hans-Georg Jenssen, den eigenen Code of Conduct. Dass sei zunächst auf sehr viel Skepsis gestoßen. Viele Mitglieder hätten es nicht "unbedingt als lustig empfunden", dass zur Umsetzung der eigenen Verhaltensmaßnahmen u.a. auch Inkasso-Dokumente oder die Testate der Wirtschaftsprüfer eingesehen werden sollten.
Insofern habe sich die Struktur des Verbandes von einer Schönwetter-Organisation hin zu einer ernst zu nehmenden Interessenvertretung enorm gewandelt. Jenssen sieht es als großes Plus an, dass das gelungen sei. "So haben wir inzwischen einen wertvollen Blick auf mögliche Fehlsteuerungen in der Branche".
Zudem macht er kein Hehl daraus, dass er sich als Vorbild für Deutschland die Einführung des österreichischen Berufsbilds für Makler gewünscht hätte. Im Nachbarland gibt es schon durch die Begrifflichkeiten eine klare Trennschärfe zwischen Versicherungsmaklern und abhängigen Beratern in Versicherungsangelegenheiten.
Damit werde eindeutig erkennbar, auf wessen Seite der Vermittler stehe. Deutschland dagegen biete eine Art Flickenteppich mit den unterschiedlichsten kaum noch zu unterscheidenden Berufsbezeichnungen und Befugnissen. Ideologische Gesellschaftsexperimente, wie die Förderung der Honorarberatung, führten dazu, gesunde Mittelstandsbetriebe oder Kleinunternehmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz zu gefährden.
Von der Versicherungswirtschaft wünscht sich Jenssen, dass diese Rolle und Funktion des Maklers ernster nimmt. "Makler sind keineswegs ein Vertriebsanhängsel der Unternehmen, und man kann auch nicht durchregieren". Es würde schon helfen, wenn Erklärungen über die Zusammenarbeit mit freien Vermittlern keine Lippenbekenntnisse seien. Als Armutszeugnis bezeichnet es der Rechtsanwalt, dass es immer noch eine große Anzahl an Makler-Extranetzen mit den unterschiedlichsten Zugangsvoraussetzungen gebe.
Als besonders ärgerlich kritisiert Jenssen, wenn Insurtechs so tun würden, als ob Makler noch auf den Bäumen sitzen würden und froh seien, elektrischen Strom zu haben. "Unsere Makler sind schon längst in der elektronischen Welt angekommen". Die jungen Start-Ups müssten erst einmal lernen, dass da wo Makler draufsteht, auch Makler drin sein muss und die Qualität stimmt. Die dazu erforderlichen Bausteine Risikoerfassung, Bewertung, des Versicherungsschutzes, Vermittlung, Vertragserfassung und Schadensassistenz seien unabdingbar und machten den Unterschied zu seriösen Maklern aus. (wo)
Mehr lesen Sie in der kommenden Juli-Ausgabe des Business-und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.
Bild: Hans-Georg Jenssen (Quelle: VDVM)
Versicherungsmakler · VDVM · Hans-Georg Jenssen
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