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Daimler: "Autonome Autos kommen ab 2020"

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Autonome Fahrzeuge werden in absehbarer Zeit zum Bild auf deutschen Straßen gehören. "Terminlich erwarten wir pilothafte Umsetzungen zu selbstfahrenden Autos ab etwa 2020", prognostiziert Michael Hafner vom Automobilbauer Daimler im Exklusiv-Interview mit VWheute. Allerdings müssten "zu deren uneingeschränkten Betrieb noch eine Reihe von gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden".
VWheute: Wann – realistisch betrachtet – könnten die ersten autonom fahrenden Fahrzeuge sich auf deutschen Straßen bewegen? Werden diese Fahrzeuge "autonom" fahren, oder ist eine stufenweise "Autonomisierung" geplant?
Michael Hafner: Bei Mercedes-Benz arbeiten wir intensiv an beiden Wegen: Auf der einen Seite entwickeln wir kontinuierlich die Fahrerassistenzsysteme weiter, um den Fahrer in eintönigen Situationen zu entlasten und ihm in kritischen Momenten sicher zu unterstützen. So wurden zum Beispiel die automatisierten Fahrfunktionen der Mercedes-Benz S-Klasse, die wir in diesen Tagen in den Markt einführen, praxisgerecht erweitert und sind inzwischen auf fast allen Straßentypen mit nochmals gesteigertem Kundennutzen erlebbar. Das ist der evolutionäre Ansatz.
Auf der anderen Seite arbeiten wir mit verschiedenen Partnern, zum Beispiel Bosch, an einem sogenannte Robocar, das autonom zu Ihnen gefahren kommt, um Sie dann sicher und bequem zu Ihrem Zielort zu bringen. Und dabei können Sie entscheiden, ob Sie selbst fahren oder gefahren werden wollen. Terminlich erwarten wir pilothafte Umsetzungen zu selbstfahrenden Autos ab etwa 2020 – wobei zu deren uneingeschränkten Betrieb noch eine Reihe von gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.
VWheute: Wie beurteilen Sie das Absatzpotenzial für autonom fahrende Fahrzeuge?
Michael Hafner: Unser Ziel ist es, den Fahrer in eintönigen Situationen zu entlasten und ihn in kritischen Momenten sicher zu unterstützen. Diesen Komfort- und Sicherheitsgewinn wissen unsere Kunden weltweit sehr zu schätzen, wie wir an den Bestellquoten der Fahrerassistenzsysteme sehen. Entsprechend hoch schätzen wir das Potential für autonom fahrende Fahrzeuge, wenn der Kunde die gewonnene Zeit nun anderweitig nutzen kann und zwar mit den Dingen, die er tun möchte, wie zum Beispiel lesen oder entspannen. Dennoch gilt bei Mercedes-Benz, dass wir es immer dem Kunden überlassen werden, ob er selbst fahren möchte oder lieber gefahren werden will. Während die Ersteinführungen sicher eher in überschaubaren Stückzahlen erfolgen, rechnen wir dann schnell mit einem exponentiellen Wachstumspotenzial.
VWheute: In welchen Sparten soll künftig "autonom" gesteuert werden: PKW, Nutzfahrzeuge, LKW?
Michael Hafner: Mit unseren verschiedenen Forschungsfahrzeugen wie dem F015 Luxury in Motion, dem Inspiration Truck oder dem Future Bus haben wir gezeigt, dass wir uns das autonome Fahren über alle Sparten vorstellen können. Daran arbeiten wir gemeinsam, Kollegen aus dem PKW-, wie auch aus dem Van-, Truck- und Busbereich.
VWheute: Gibt es Vermutungen oder Erkenntnisse zu Zielgruppen, die besonders empfänglich für autonomes Fahren sein werden?
Michael Hafner: Nahezu jeder Fahrer, der einmal die Vorzüge der Fahrerassistenzsysteme kennengelernt hat, weiß den Komfort- und Sicherheitsgewinn, die diese Systeme mit sich bringen, zu schätzen, sei es im morgendlichen Stop- und Go-Verkehr oder auf eintönigen Strecken auf der Autobahn. Zusätzlich bietet das autonome Fahren vielen weiteren Personen die Möglichkeit, mobil zu werden oder länger zu bleiben, wie zum Beispiel Blinden, körperlich eingeschränkten Personen oder auch Senioren, die sich heute im hektischen Autoverkehr unsicher fühlen zu fahren. Dadurch, dass Sie beim autonomen Fahren die Fahrzeit als echte Lebenszeit aktiv nutzen können – sei es zum Arbeiten, zum Entspannen oder für Video-Chats – zählen aber sicher auch all diejenigen zur Zielgruppe, für die Zeit ein sehr rares Gut ist.
Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Sascha Schulz.
Bild: Michael Hafner ist Leiter Automatisiertes Fahren und Aktive Sicherheit der Daimler AG. (Quelle: Daimler)
Link: Haftungsregeln gelten auch für autonome Systeme (Tagesreport vom 22.06.2017)
Daimler · Michael Hafner · AutonomesFahren
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