Politik & Regulierung

Deutschen Krankenhäusern geht es schlechter

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Die deutschen Krankenhäuser hängen wirtschaftlich weiterhin am Tropf. So lagen im Jahr 2015 insgesamt neun Prozent im "roten Bereich" mit erhöhter Insolvenzgefahr und gleichbleibender Ertragslage. Weitere zwölf Prozent der Krankenhäuser befanden sich in einer kritischen Lage ("gelber Bereich"). 79 Prozent liegen hingegen im "grünen Bereich".
Dennoch blieb die Ertragslage der deutschen Kliniken praktisch unverändert. Demnach schrieben 21 Prozent der Krankenhäuser auf Konzernebene einen Jahresverlust. Zudem waren 2015 insgesamt 63 Prozent der Kliniken investitionsfähig. Allerdings sei die Kapitalausstattung der Kliniken noch immer unzureichend. So belaufe sich deren jährlicher Investitionsbedarf (ohne Universitätskliniken) auf mindestens 5,4 Mrd. Euro.
Da die Bundesländer im Jahr 2015 aber nur Fördermittel in Höhe von 2,8 Mrd. Euro zur Verfügung stellten, ergebe sich somit eine jährliche Förderlücke von mindestens 2,6 Mrd. Euro. Bezieht man den über die Jahre aufgebauten Investitionsstau ein, sei sie sogar noch höher. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Krankenhaus Rating Report 2017, der im Rahmen des "Hauptstadtkongress 2017 – Medizin und Gesundheit" in Berlin vorgestellt wurde.
Zudem ergaben sich deutliche regionale Unterschiede in der bundesdeutschen Krankenhausversorgung. Während die ostdeutschen Krankenhäuser in 2015 wirtschaftlich am besten ausgestattet war, sei die Lage der Kliniken in Bayern, Niedersachsen/ Bremen, Hessen und Baden-Württemberg jedoch besonders schwierig. Ein Grund: zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung.
Nur wenig verändert haben sich hingegen die Krankenhauskapazitäten, obwohl die Zahl der Betten erstmals unter 500.000 fiel. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Krankenhäuser um 1,2 Prozent auf 1.956. Die durchschnittliche Verweildauer der Patientinnen und Patienten sank weiter auf 7,3 Tage. Allerdings könnten Innovationen im Bereich der Digitalisierung und Robotik dabei helfen, den demografischen Wandel zu bewältigen und mit weniger werdendem Fachpersonal steigende Patientenzahlen zu versorgen, betonen die Experten im aktuellen Report.

Mehr Ausgaben für Datenpannen und Gesundheitskosten

Mit der zunehmenden Digitalisierung scheinen die Kliniken jedoch auch besonders anfällig für Cyberattacken zu werden. Laut einer aktuellen Studie von IBM ist der Gesundheitssektor die Branche mit den teuersten Datenpannen. So koste der Diebstahl von Gesundheitsdaten im Durchschnitt etwa 380 US-Dollar pro Datensatz. Dies entspreche dem 2,5-fachen des globalen Branchendurchschnitts von 141 US-Dollar. Allein in Deutschland beziffern die Experten die durchschnittlichen Kosten für eine Datenpanne allein in diesem Jahr auf rund 3,42 Mio. Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch nicht nur die Gefahr von Cyberattacken macht dem Gesundheitswesen derzeit zu schaffen. Laut einer weltweiten Umfrage von Willis Towers Watson rechnen 79 Krankenversicherer in diesem Jahr mit einem Kostenanstieg im Gesundheitswesen um 7,9 Prozent. Regionaler Spitzenreiter sei demnach Lateinamerika mit einem Anstieg von 11,5 Prozent, gefolgt vom Nahen Osten und Afrika mit 9,8 Prozent, sowie Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum mit jeweils 8,6b Prozent. Schlusslicht sei hingegen Europa mit einem Plus von 4,5 Prozent.
Dabei sehen rund zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten die hohen Kosten im Bereich MedTech als den signifikantesten kostentreibenden Faktor an. Drei von vier Versicherern (74 Prozent) geben die übermäßige Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen auf Empfehlung der behandelnden Ärzte als größten Kostentreiber an. "Mehr als die Hälfte der Befragten befürchten, dass viele Arbeitnehmer die Kosten selbst in die Höhe treiben, indem nicht die richtigen Fachärzte konsultiert werden", sagt Tanja Löhrke, Head of Health & Benefits bei Willis Towers Watson.
Positiv: Laut Studie bieten immer mehr Arbeitgeber Vorsorgemaßnahmen an und geben den Arbeitnehmern die Möglichkeit ihre eigene Gesundheit zu verantworten. Demnach bieten weltweit vier von zehn der Befragten bereits Well-Being-Programme an, in Europa sei es sogar jeder zweite. D"Auch in Deutschland rücken Vorsorgemaßnahmen stetig in den Vordergrund, ob in Form von Gesundheitstagen oder anderen Präventionsmaßnahmen. Die Services in diesem Segment sind sehr innovativ und vielfältig", sagt Löhrke. (vwh/td)
Bildquelle: NicoLeHe / PIXELIO (www.pixelio.de)
Krankenhaus · Cyber-Sicherheit · IBM · Willis Towers Watson
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