Märkte & Vertrieb

Zhong-An-Börsengang sorgt für Irritation

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass der chinesische Versicherer Zhong An einen Börsengang plant, ist bekannt. Die Rede ist von etwa einer Mrd. US-Dollar, die das Unternehmen auf dem Hongkonger Kapitalmarkt sammeln möchte. Offen hingegen bleibt, ob Zhong An dadurch eine neue Offensive für innovative Schritte finanzieren oder laufende Kosten abdecken will.
Anderseits zeigen sich Marktbeobachter überrascht darüber, warum finanzmächtige Anteilsinhaber wie Alibaba, Ping An und Tencent kein weiteres Geld zuschießen wollen. Das Unternehmen selbst will den Bericht nicht kommentieren.
Die Zhong An mit Sitz in Schanghai als reiner Online-Versicherer hat seit seiner Gründung 2013 für Furore gesorgt. Bereits im Gründungsjahr hat sie Gewinn erzielt. In den darauffolgenden zwei Jahren setzte das Unternehmen seinen Erfolg fort. Der Internet-Versicherer steht daher unter besonderer Beobachtung der Branche, weil man anhand der Entwicklung des Vorzeige-Unternehmens das Potenzial eines reinen Online-Versicherers beurteilen will.
2016 markierte jedoch bislang einen Wendepunkt, als der Gewinn von etwa 22 Mio. Euro im Jahr 2015 rutschte auf 1,2 Mio. Euro im Folgejahr einbrach. Im Geschäftsbericht ist zu lesen, dass die Zhong An bei der Geldanlage ein Minus von ca. sechs Millionen Euro hinnehmen musste, wohingegen 2015 noch ein Plus von 58 Mio. Euro erzielt wurde.
Zudem haben sich die Prämieneinnahmen in den einzelnen Sparten recht unterschiedlich entwickelt. Die Beitragseinnahmen im Hauptgeschäft mit der Versicherung für Warenrückgaben gingen demnach um acht Prozent zurück. Gleichzeitig sind die Beitragseinnahmen in der Privatkranken- und Unfallversicherung jeweils um das 14-fache bzw. das 2,5-fache gestiegen.
Das größte Problem sind allerdings die Verwaltungskosten und Ausgaben für IT, die 2016 explosionsartig um 88 Prozent auf umgerechnet 223 Mio. Euro gestiegen sind. Der Vorstandschef des chinesischen Versicherers rechtfertigt die Kosten damit, dass die Zhong An ein Versicherer auf rein technischer Basis sei, so dass viel Investition in IT selbstverständlich sei. Man fragt, ob das Argument für die bestehenden Anteilsinhaber überzeugend ist. (hy)
Bild: Smartphone-Nutzer in U-Bahnstation (U-Bahn). Mit derzeit 997 Mio. Mobil-Internet-Benutzerkonten in China ist eine gute Basis für Versicherungsgeschäft geschaffen. (Quelle: hy)
Ping An · China · Hongkong · Alibaba · Zhong an · Tencent
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