Politik & Regulierung

Versicherte lassen Riester-Verträge ruhen

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das ist Wasser auf die Mühlen der Riester-Kritiker: Auf rund 20 Prozent der Riesterverträge erfolgt keine Beitragsleistung mehr. Die Gesamtanzahl der Verträge belief sich Ende des vergangenen Jahres auf rund 16,5 Millionen. Zur Anzahl der nicht bedienten Verträge liegen keine Zahlen vor. Das ergab eine Anfrage der Linken Abgeordneten Sabine Zimmermann an den Bundestag.
VWheute hat bei der Abgeordneten um eine Einschätzung gebeten, warum so viele Bürger von der Zusatzrente Abstand nehmen und was aus ihrer Sicht aus der 20-Prozent-Quote politisch folgen müsste. "Die Riester-Rente war und ist nicht dazu geeignet, die politisch aufgerissene Sicherungslücke der gesetzlichen Rente zu schließen. In einem ersten Schritt sollten deshalb keine Neuverträge mehr gefördert werden. Im zweiten Schritt müssen die Riester-SparerInnen die Möglichkeit erhalten, auf freiwilliger Basis ihre Wertguthaben in die umlagefinanzierte gesetzliche Rente zu überführen", antwortete Zimmermann prompt.
Zimmermann übt nicht nur Kritik am Produkt, sondern schreibt der Branche und der Regierung harte Worte ins Stammbuch: "Die Riester-Rente ist gescheitert. Grundsätzlich hat nur knapp die Hälfte der Förderberechtigten überhaupt einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Viele, die einen Vertrag haben, können irgendwann die Beiträge nicht mehr aufbringen. Gerade Geringverdiener brauchen jeden Euro für das tägliche Überleben. Bei den laufenden Verträgen wird ein beträchtlicher Teil der Rendite durch hohe Abschluss- und Verwaltungsgebühren zunichte gemacht. Unter dem Strich war Riester mehr ein Konjunkturprogramm für die Versicherungswirtschaft als ein sinnvolles Instrument der Alterssicherung."

Und was sagen die Versicherer?

Ein großer Versicherer, der seinen Namen nicht hier lesen wollte, ließ in einem Hintergrundgespräch durchblicken, dass im Unternehmen die Gründe für eine Beitragsfreistellung nicht erfasst werden und auch keine Zahlen vorliegen würden, wie viele der Verträge noch bedient werden. Nach wie vor sei die Riester-Rente aber gerade für junge Menschen ein Einstieg in den Markt für die Altersvorsorge, gerade, weil schon mit geringem finanziellem Einsatz bereits viel erreicht werden könne. Weiterhin würden bereits erworbene Ansprüche durch eine Beitragsfreistellung nicht angetastet werden. Über die Gründe für die Vertragsflucht der Versicherten wollte das Unternehmen nicht spekulieren. Ein anderer Versicher antwortete nicht auf die Anfrage, und ein weiterer konnte in der Kürze der Zeit keinen passenden Ansprechpartner bereitstellen. (vwh/mv)
Bild: Rente im Alter (Quelle: Uschi Dreiucker / PIXELIO / www.pixelio.de)
Riesterrente · Die Linke · Sabine Zimmermann
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