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Todd: "Inhärentes Cyberrisiko" wird immer relevanter

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Industrieversicherer FM Global prüft jährlich in seinem "FM Global Resilience Index" die Widerstandsfähigkeit von Staaten rund um den Globus. Dabei spiele ein "inhärentes Cyberrisiko" zukünftig immer mehr an Relevaz gewinnen, glaubt Nigel Todd von FM Global im Exklusiv-Interview mit VWheute. Dabei seien "Cyberangriffe schon lange als ernstzunehmendes Risiko für die Resilienz globaler Unternehmen".
VWheute: Cyberangriffe werden vor dem Hintergrund von "WannaCry" zu einem immer größeren Risiko. Im aktuellen FM Global Resilience Index 2017 sprechen Sie auch von einem "inhärenten Cyber-Risiko". Wie definieren Sie dieses genau und welche Aussagen lassen sich daraus auf die Versicherbarkeit von Cyberrisiken ableiten?
Nigel Todd: Im FM Global Resilience Index werden 130 Länder und Territorien nach der Resilienz ihrer Unternehmen gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen eingestuft. Wie die "WannaCry"-Attacke als jüngstes Beispiel zeigt, gehören in der heutigen Zeit auch mögliche Cyberrisiken dazu. Deswegen beinhaltet der diesjährige Resilience Index den neuen Treiber "inhärentes Cyberrisiko", welcher auch zukünftig an Relevanz gewinnen wird. Er bezieht sich auf zwei Aspekte der Cyberresilienz eines Unternehmens: die Anfälligkeit des entsprechenden Landes gegenüber Cyberattacken und die Fähigkeit, mögliche Angriffe abzuwehren.
FM Global versteht Cyberangriffe schon lange als ernstzunehmendes Risiko für die Resilienz globaler Unternehmen. Auch hier fahren wir den Ansatz, Schäden durch aktives Risikomanagement vorzubeugen, damit unsere Kunden im Geschäft bleiben. In der FM Global Advantage Police werden Daten wie Waren in der Lagerhalle betrachtet: wenn sie korrumpiert, modifiziert oder zerstört werden, haben versicherte Unternehmen den gleichen Anspruch auf Schutz gegen Betriebsschäden oder eine mögliche Betriebsunterbrechung wie bei einem Brand oder Sturm.
VWheute: Als weitere neue Treiber definieren Sie auch den Grad der Urbanisierung und die Transparenz der Lieferketten. Inwieweit spielt die Urbanisierung bei Naturkatastrophen eine Rolle? Und wie wirkt sich die Transparenz von Lieferketten auf Risiken aus – schließlich ist die Anfälligkeit von Lieferketten ja bekanntlich nicht neu?
Nigel Todd: Der Grad der Urbanisierung und das Risiko von Naturkatastrophen haben einen wichtigen Einfluss auf den Gesamtwert eines Landes im globalen Ranking des Resilience Index. Allerdings werden diese Aspekte zwei verschiedenen Faktoren zugeordnet und stehen in keiner direkten Beziehung zueinander: der Grad der Urbanisierung gehört mit drei anderen Treibern zum Faktor "Wirtschaft", wohingegen Elementarrisiken wie Naturkatastrophen im Faktor "Risikoqualität" enthalten sind.
Die Transparenz der Lieferkette ist auch ein spannendes Thema, das besonders beim Thema Industrie 4.0 einen Erfolgsfaktor darstellt. Die genaue Ortung und Nachverfolgung einer Lieferung erhöht die Sicherheit von Lieferketten und stellt neue Anforderungen an die Lieferfähigkeit von globalen Zulieferern. Verspätet sich eine Lieferung zum Beispiel am Zoll, können frühzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, damit die Produktion nicht stoppt. Besonders global betrachtet, ist diese Transparenz für Unternehmen von immenser Bedeutung.
VWheute: Risiken sind ja zumindest bis zu einem gewissen Grad berechenbar. Mit Ihrem interaktiven Tool sollen die Unternehmen neue Erkenntnisse über aktuelle Risiken erhalten. Nach welchen Kriterien werden diese gefiltert und wo sehen Sie den Mehrwert für die betroffenen Unternehmen?
Nigel Todd: Mit dem Resilience Index kann die Resilienz von Ländern für bis zu fünf Jahre rückwirkend eingesehen werden, somit lassen sich auch Trends und Entwicklungen ablesen. Anhand des Rankings können Unternehmen Erkenntnisse über globale Lieferketten und Standorte ziehen, die einen entscheidenden Mehrwert bei der Planung wichtiger Geschäftsstrategien bieten. Ganz berechenbar sind Risiken dennoch natürlich nicht. Der Resilience Index dient in dieser Hinsicht als Orientierungshilfe für Führungskräfte.
Einen besonderen Mehrwert wird es dieses Jahr zudem für Kunden von FM Global geben. Im Juni startet neben der öffentlichen Version auch eine Kundenversion, die die Resilienz des eigenen Unternehmens bewertet. Diese Version stützt sich auf individuelle Standortdaten und bildet für jeden Kunden einen Gesamtwert, der anhand der Standorte gewichtet ist. Wenn ein Unternehmen also überwiegend in einem bestimmten Land vertreten ist, fließt der Wert dieses Standorts auch entsprechend stärker in den Gesamtwert ein. Somit können Unternehmen in der Kundenversion sehen, welche ihrer Standorte besonders risikogefährdet sind, um sich entsprechend nachzurüsten.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Nigel Todd ist Service Client Manager bei FM Global (Quelle: FM Global)
Link: FM Global kürt das gegen Gefahren gefestigtste Land (Tagesreport vom 10.05.2017)
FM Global · FM Global Resilience Index · Nigel Todd
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