Köpfe & Positionen

Versicherungswelt "ist zu 100 Prozent digitalisierbar"

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"Die gesamte Versicherungswirtschaft ist zu 100 Prozent digitalisierbar", glaubt Ramin Niroumand, Gründer und Geschäftsführer von FinLeap. Dennoch erfordere die "zunehmende Digitalisierung auch immer das passende Talent", glaubt der Fintech-Chef im Exklusiv-Interview mit VWheute. Daher werde es "auch zu einer gravierenden Veränderung des Profils 'klassischer Mitarbeiter' kommen.
VWheute: Die Versicherungsbranche kommt bekanntlich am digitalen Wandel nicht mehr vorbei. Die Kunden setzen dabei zunehmend auf individuelle Lösungen statt standardisierter Angebote. Welche Rolle nehmen dabei die digitalen Möglichkeiten ein und wie kann die Branche diese für sich nutzen?
Ramin Niroumand: Die gesamte Versicherungswirtschaft ist zu 100 Prozent digitalisierbar, weil unser Handeln auf Informationen beruht. Die Möglichkeiten sind vielfältig, vom voll-digitalen Abschluss, über eine voll-digitale Schadensbearbeitung bis hin zu voll-digitalen internen Prozessen - alles ist denkbar und wird passieren.
VWheute: Stichwort: Insurtechs versus etablierte Player. Neue Player setzen die etablierten Player mit neuen Geschäftsmodellen unter Druck. Brancheninsider glauben zudem, dass die Digitalisierung auch zu einer Reduzierung der benötigten Arbeitskräfte in der Versicherungswirtschaft führen. Wie bewerten Sie das Verhältnis zwischen "Neuankömmlingen" und "Alteingesessenen"? Und macht die Digitalisierung den klassischen Mitarbeiter letztlich überflüssig?
Ramin Niroumand: In einigen Feldern wird es Kooperation geben zwischen Versicherern und Insurtechs, in anderen Bereichen sicher auch Wettbewerb. Teilweise werden Insurtechs auch als klassische Dienstleister für die Branche fungieren, oder als Enabler für neue Produkte und Innovation - so wie zum Beispiel die von uns gegründete digitale Versicherungsplattform Element. Die zunehmende Digitalisierung erfordert auch immer das passende Talent, sprich die Mitarbeiter werden in Zukunft über ausgeprägte Fähigkeiten in Technologie und Informatik verfügen müssen. Von daher wird es sicher auch zu einer gravierenden Veränderung des Profils "klassischer Mitarbeiter" kommen und neue Talente werden Einzug halten.
VWheute: Beleuchten wir abschließend die Rolle der Insurtechs etwas genauer. Kooperationen zwischen Insurtechs und Versicherern sind derzeit sehr gefragt. DFV-Chef Stefan Knoll vertrat hingegen jüngst die Ansicht: "Insurtechmarkt ist nichts anderes als eine Wette". Zudem konstatierte unlängst eine Studie von Oliver Wyman, dass Insurtechs nicht strategisch genug denken. Wie bewerten Sie solche Aussagen und was müssen die "Neulinge" Ihrerseits noch lernen?
Ramin Niroumand: Ich mag mir nicht anmaßen zu beurteilen, ob Insurtechs oder Etablierte am Ende weitsichtiger sind. Etwas Neues zu wagen ist immer mit einem größeren Risiko verbunden, als ein traditionelles Geschäftsmodell voranzutreiben. Allerdings erscheint mir das Wort "Wette" dafür etwas zu zugespitzt. Klar ist: Das Risiko ist bei Innovation größer, aber Veränderung auszusitzen ist keine Option. Veränderung wird insbesondere durch den technologischen Wandel geprägt. Die Digitalisierung ist also unabdingbar.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Ramin Niroumand, Gründer und Geschäftsführer von FinLeap, spricht heute auf der Digisurance 2017 in Berlin. (Quelle: FinLeap)
Insurtech · Finleap · Ramin Niroumand
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