Politik & Regulierung

Klimawandel second: Trump kündigt Pariser Abkommen

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Klimawandel ist für den US-Präsident nicht mehr als ein Schwindel. Laut US-Medien kündigt nun Donald Trump das Pariser Abkommen, dass die Unterzeichnerstaaten darauf verpflichtet, die Erderwärmung deutlich unter zwei Gard Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Dabei bietet der Klimawandel neben Risiken auch Chancen – auch für Versicherer. Ohnehin steigt der Schadenaufwand auch ohne die Erderwärmung.
In den Trumps Konzept für die ersten 100 Tage als Präsident stand die Aufkündigung des Abkommens ganz oben auf der Liste. Laut US-Medien werde jetzt die genaue Umsetzung der Annullierung diskutiert. Das Pariser Abkommen ist Teil des UNO-Klimaprozesses. Trump könnte einfach einen Brief ans UNO-Klimasekretariat schreiben und die Mitgliedschaft der USA im UNI-Klimaprozess kündigen. Alternativ können die USA ein Mitglied der Uno-Klimaverhandlungen bleiben, kündigen aber den Klimavertrag separat in drei Jahren - diese Wartezeit nach seinem Inkrafttreten schreibt das Abkommen vor.
"Ein historischer Schritt in Richtung Dekarbonisierung", lautete das Fazit von Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung bei Munich Re, als das Klimaabkommen Ende 2015 bei einer UNO-Konferenz in Paris beschlossen wurde. Schließlich ist die Versicherungswirtschaft von Extremwetterereignissen direkt betroffen und mahnt seit Jahren: Je stärker die globale Erwärmung ausfällt, desto größer werden die Risiken sein. Denn: "Eine Vier-Grad-Welt ist kaum noch versicherbar", warnte Axa-Vorstandsmitglied Christian Thimann.
Für Allianz-Climate-Solutions-Geschäftsführer Karsten Löffler ist bereits eine Erwärmung über 1,5 Grad Celsius mit deutlich steigenden Klimafolgeschäden verbunden. Die Swiss Re unterstützt ebenfalls das vereinbarte Senkungsziel unter zwei Grad Celsius, fügt jedoch hinzu, dass die "Erwärmung in dieser Größenordnung die Versicherbarkeit in den meisten Regionen nicht grundsätzlich in Frage stellen wird." Zumal der Temperaturanstieg von Region zu Region unterschiedlich sein werde.

Unmöglich die Schadensummen auf den Klimawandel zurückzuführen

Ohnehin sind sich die Versicherer nicht einig, ob die Häufigkeit von wetterbedingten Schadenereignissen überhaupt auf einen vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen ist. "Durch einzelne Naturkatastrophen kann der Eindruck entstehen, dass Häufigkeit und Intensität zunehmen. Aber ist es schwierig, die sich verändernden klimatischen Bedingungen durch diese – absolut gesehen – doch sehr seltenen Ereignisse genau nachzuweisen", argumentiert Klaus-Peter Mangold, Leiter Aktuariat der Allianz Versicherung. Ein signifikanter Anstieg von Schäden aufgrund einer Zunahme von Extremwetterereignissen lässt sich anhand des Schadensatzes zwischen 1999 und 2012 bislang nicht erkennen, lautet das Fazit der Bundesumweltamt-Studie "Vulnerabilität Deutschlands gegenüber dem Klimawandel".
Schließlich nehmen die versicherten Schadensummen auch aufgrund zunehmender  Versicherungsdurchdringung und erhöhter Prämien stetig zu. Außerdem sei jedes Einzelereignis grundsätzlich auch ohne Klimawandel denkbar, resümiert Munich Re. Die erhöhten Schadenzahlungen hängen laut Swiss Re auch mit der Wohlstandsentwicklung zusammen, welche die exponierten Sachwerte ansteigen lässt. Ebenso fallen erhöhte Wiederinstandsetzungskosten aufgrund von gestiegenen energetischen Standards an.
Unabhängig von der Unterscheidung zwischen Schadenereignissen, die durch den Klimawandel beeinflusst wurden, und "normalen Elementarschäden" bestätigen die meisten deutschen Schadenversicherer gegenüber der VWheute, dass sie Unwetterfolgen zunehmend in ihren Bilanzen spüren. Für Thomas Loster bietet der Klimawandel auch neue Geschäftspotenziale. "Nicht nur der Bedarf für Elementargefahren-Deckungen steigt", sagt der Geschäftsführer der Munich Re Foundation, die sich u.a. auch mit der Klimaveränderung beschäftigt. "Im Kontext von Energiewende und Mitigation – der Verminderung von CO2-Emmissionen – können neue Produkte entwickelt werden. Beispielsweise Garantiedeckungen für Erneuerbare Energien wie Solaranlagen und Windparks oder damit verbundene Smart Grids. Fast unbemerkt entsteht derzeit ein großer internationaler Markt für Klimarisikoversicherungen", schreibt Loster für die Versicherungswirtschaft. (dg)
Bild: US-Präsident Donald Trump (Quelle: Gage Skidmore)
Klimawandel · Donald Trump
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