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Gothaer: "Keinen Batzen Geld in die Lebensversicherung"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Gothaer hat 2016 konzernweit leicht Prämie verloren, dank eines hohen Kapitalanlageergebnisses aber mehr verdient, was der Eigenkapitalstärkung zu Gute kommt. "Wir haben zum Glück ein ausgeglichenes Portfolio und können abwarten bis wieder auskömmliche Prämie realisierbar sind", sagte Vorstandschef Karsten Eichmann am Dienstag in der Bilanzpressekonferenz.
Einige Gesellschaften, die bislang stark in der Personenversicherung oder auch dem Bausparen aktiv waren, versuchten "sehr aggressiv", Kompositbestände aufzubauen. Dies betreffe sowohl das Privatkunden- wie auch das Gewerbegeschäft. Für die Gewerbekunden führt die Gothaer Allgemeine nun am 13. Juni den modularen Versicherungsschutz "GewerbeProtect" ein, der weit gehend dunkel verarbeitet werden kann.
Bei Rückgängen in der Personenversicherung hat der Konzern 2016 gut zwei Prozent Prämie auf 4,4 Mrd. Euro verloren. Dass der Konzernjahresüberschuss dennoch um 17,4 Prozent auf 162 Mio. Euro stieg, liegt allein an einem um fast ein Drittel auf 1,6 Mrd. Euro höheren Kapitalanlageergebnis. "Wir haben kein Tafelsilber verkauft", sagte Finanzvorstand Harald Epple. Vielmehr habe man die Zinsduration unterjährig zeitweilig verkürzt, vor der Wahl in Frankreich entsprechende Zinspapiere verkauft und sich bei einer guten Gelegenheit von der Beteiligung an der Tankkarten-Firma DKV getrennt.
Letzteres brachte 230 Mio. Euro Ertrag. Diese Mittel dienten dem Aufbau der Zinszusatzreserve um 298 Mio. Euro auf 861 Mio. Euro. Bei einem gegenüber dem Jahresende 2016 unveränderten Zins müsste die ZZR bis 2022/23 rund 2 Mrd. Euro betragen. 40 Prozent davon habe man schon ausfinanziert, ohne dafür entsprechend zu realisieren. Die eigene Nettoverzinsung sei erst 2016 auf 4,7 (4,2) Prozent und damit Marktniveau angehoben worden. Das Konzerneigenkapital wurde um 8,8 Prozent auf 2,0 Mrd. Euro aufgestockt.
Zum Bilanzstichtag 2016 kommt der Konzern auf eine Solvenzquote von 220 Prozent mit Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen. Für Leben und Kranken war die Volatilitätsanpassung beantragt worden; danach kommt die Gothaer Kranken auf 777 Prozent und die Gothaer Leben auf 212 Prozent. Mit Volatilitätsanpassung erreicht die Bedeckungsquote der Leben nur 106 Prozent. Eichmann verteidigte die niedrige Quote mit einer strategisch optimalen Asset-Allokation.
"Wir tragen keinen Batzen Geld in die Lebensversicherung, sondern investieren dies lieber in die Digitalisierung." Für eine höhere Solvenzquote hätte man stärker in Staatsanleihen investieren und dafür unter anderem auf Rendite aus Immobilien und Credits, die beide stärker mit Eigenkapital zu unterlegen sind, verzichten müssen. Das wäre auch zu Lasten der Kunden gegangen. In der Lebensversicherung baut Eichmann das Geschäftsfeld um: klassische Garantieprodukte werden im Privatkundengeschäft praktisch nicht mehr verkauft. Für Herbst kündigt er die Einführung eines Einmalbeitragsproduktes für die Ruhestandsplanung der Zielgruppe 55plus an. (lie)
Bild: Vorstandschef Karsten Eichmann auf der Bilanzpressekonferenz der Gothaer (Quelle: Gothaer)
Gothaer · Karsten Eichmann
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