Märkte & Vertrieb

Vergleichsportale manipulieren Ranking und Verbraucher

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Laut einer forsa-Umfrage glauben 48 Prozent aller Nutzer, dass Vergleichsportale wie Check24 und Verivox ihre Angebote nach aufsteigendem Preis anzeigen. Eine Studie widerlegt diese Annahme. Die Rankings seien alles andere als objektiv und transparent. Oft bekommen Vergleichsportale Provisionen, wenn sie Kfz-Policen oder Ratenkredite vermitteln. Trotzdem versuchten sie, "den Eindruck zu vermitteln, Verbraucherinteressen zu vertreten", schreiben die Wissenschaftler des Hamburger Forschungsinstituts iff.
Das Institut hat im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) die fünf am häufigsten genutzten Vergleichsportale für die Finanzdienstleistungsprodukte Giro-Konten, Ratenkredite und Kfz-Versicherungen untersucht.
Die Methodik der Sortierung bei Check24, Verivox, FinanceScout24, Toptarif und Biallo sei oft unklar, so das Ergebnis. Bei der Suche nach einem Girokonto erfolgte beispielsweise bei Check24 die erste Sortierung nach "Empfehlung und Note", wobei die Note vom Portal vergeben werde. Es sei nicht klar, "wie diese beiden Komponenten zusammengeführt werden".
Oder: Beim Autoversicherungsvergleich stellen Verivox und Toptarif oberhalb des eigentlichen Vergleichs ebenfalls einen "Tipp" ein (siehe Bild unten). Der Anbieter R+V24  zahlt eine Provision für die Vermittlung des Tarifs, und Verivox und Toptarif behandeln diese "wie eine Anzeige." Erst darunter beginnt die Sortierung nach dem jeweils günstigsten Tarif. Diese ist zwar mit "Anzeige" bezeichnet, dies ist jedoch nicht hinreichend klar dargestellt, kritisieren die Studienautoren.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen bezeichnet die Vergleichsportale dementsprechend als "Finanzproduktvermittler": Anbieter, die keinen Vertrag mit einem Portal hätten, würden demnach nicht in den Suchergebnissen vorkommen. Jetzt fordern die Verbraucherschützer, dass die Politik aktiv wird und gesetzliche Kriterien festlegt. Dazu zählt ein mögliches Verbot der Finanzierung durch Provisionen oder Affiliate Marketing. "Könnten sie dies nicht, müssten sie sich deutlich und an prominenter Stelle als Finanzproduktvermittler zu erkennen geben", betont der vzbv. Gerade zu dieser Thematik verlor Check24 kürzlich vor Gericht und muss deutlicher machen, dass es als Versicherungsmakler arbeitet, VWheute berichtete.
Diese Spielregeln müssten eigentlich auch für vermeintliche Informationsportale wie Finanztip gelten, die sich ebenfalls über "Affilliated Links" finanzieren, berichtete VWheute. Selbst bei Versicherern, die von Finanztip kritsisiert werden, finden sich gleichzeitig bezahlte Links zu den jeweiligen Versicherern. (dg)
Bild: Beispiel für einen "Tipp". Der Anteil der auffälligen orangen Farbe ist bei "Tipp" deutlich größer, der Lesefluss beginnt oben links. Der Hinweis "26 Ergebnisse für Ihren Dokker" ist sehr blass gehalten und fällt nur einem sehr aufmerksamen Leser auf. (Quelle: Institut für Finanzdienstleistungen e.V., "Studie zur Bewertung der des Rankings von Vergleichsportalen in Bezug auf Finanzdienstleistungsprodukte", S. 26 LINK )
Bild oben: Juergen Jotzo / PIXELIO / www.pixelio.de
Verbraucherzentrale · Kfz-Vergleichsportale · Check24 · Vergleichsportale · Verbraucherzentrale Bundesverband · Verivox
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