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Provinzial NordWest sieht sich als Platzhirsch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Provinzial NordWest Versicherungskonzern hat im Geschäftsjahr 2016 den Jahresüberschuss vor Steuern um knapp 28 Mio. Euro auf 175,2 Mio. Euro steigern können. "Wir sind die Platzhirsche vor Ort", konstatierte Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender des zweitgrößten öffentlichen Versicherungskonzerns, bei der Vorstellung der in Münster. Das Thema einer möglichen Fusion im Sparkassen-Versicherungslager spielte hingegen keine Rolle.
So war die Beitragsentwicklung in der Schaden- und Unfallversicherung mit einem Plus von 3,6 Prozent deutlich besser als der Markt mit 2,6 Prozent. Die Prämieneinnahmen erreichten in dieser Sparte 1,89 Mrd. Euro. Demgegenüber gingen die Beiträge in der Lebensversicherung um 14,5 Prozent auf 1,96 Mrd. Euro zurück. Zu dem sehr guten Ergebnis haben nach Breuers Angaben alle Vertriebswege, also die Ausschließlichkeitsorganisation, die Sparkassen, und die Makler im Norden und Westen beigetragen.
"Unser dichtes Vertriebsnetz und die damit verbundene Kundennähe sind auch in einer digitalen Welt unverzichtbarer Wettbewerbsvorteil". Inzwischen betreut die Provinzial in ihrem Geschäftsgebiet fast zehn Millionen Verträge. Die Nettoverzinsung für die Kapitalanlagen von etwa 24 Mrd. Euro erreichte Ende 2016 immer noch den guten Wert von 4,0 Prozent (2015: 4,6 Prozent).
Allein in der Schaden- und Unfallversicherung betrug der Zuwachs im letzten Jahr etwa 60.000 Verträge. Besonders positiv fiel das Geschäft in der Wohngebäudeversicherung mit einem Plus von 7,9 Prozent aus. Bemerkenswert ist, dass verstärkt Elementarversicherungsschutz nachgefragt wurde. Die Schadenentwicklung war von einer ruhigeren Wetterlage im zweiten Halbjahr 2016 geprägt. Dadurch verringerten sich die Bruttoschadenaufwendungen um 3,0 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Die Schaden-Kosten-Quote ging von 92,1 Prozent in 2015 auf 88,6 Prozent zurück. Nach Angaben Breuers sei dies überwiegend auch auf ein striktes Kostenmanagement zurückzuführen.
Im Bereich der Lebensversicherung fällt auf, dass das Neugeschäft gegen laufende Beitragszahlung im letzten Geschäftsjahr um zehn Prozent gesteigert werden konnte, während der Zuwachs in der Branche nur 2,8 Prozent betragen habe. Im Vordergrund des Kundeninteresses standen dabei Fonds- und Hybridprodukte, die bereits einen Anteil von 38 Prozent an den gesamten Beitragseinnahmen aufweisen, beim Neugeschäft sogar von rund zwei Drittel. Stark reduziert wurde dagegen das Geschäft gegen Einmalbeitrag. Durch dieses "auf die Bremse treten", wie es Breuer formulierte, gingen die Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung deutlich um 14,5 Prozent zurück. Die Stornoquote sank auf 3,6 Prozent (Vorjahr: 3,8 Prozent).
Auch das Geschäftsjahr 2017 ist mit guten Zahlen gestartet. Im ersten Quartal erhöhten sich in der Schaden- und Unfallversicherung die Beiträge um 3,5 Prozent, mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs in Wohngebäude (plus 5,5 Prozent), Kraftfahrt stieg um 6,3 Prozent. In der Lebensversicherung lagen die laufenden Prämieneinnahmen auf Vorjahresniveau, bei einem weiteren Rückgang der Einmalbeiträge. Für das Gesamtjahr werden steigende Einnahmen in Sach erwartet. Dagegen dürften die Beitragseinnahmen in Leben um ca. 500 Mio. Euro weiter zurückgehen. Breuer teilte mit, dass die Hamburger Feuerkasse zwar finanziell integriert wurde, aber aus Imagegründen als Versicherungsträger erhalten bleibt.
Breuer kündigte an, mit weiterem 30 Mio. Euro nochmals "kräftig in die Digitalisierung zu investieren". Hier sei das Unternehmen schon sehr gut vorangekommen, habe innovative Produkte entwickelt und neue digitale Services, wie Online-Schadenmeldung, digitale Unterschrift und den Kunden-Live-Chat, für Kunden und Vertriebspartner einrichten können.
Seit Anfang diesen Jahres bietet die Provinzial eine Cyber-Versicherung für Firmenkunden an. Abgesichert sind Haftpflicht-, Eigen-, Vertrauens- und Ertragsausfallschäden. Dazu gehört auch ein qualifiziertes Krisenmanagement. Ab Ende Juli 2017 können sich Privatkunden gegen Internet-Risiken im Rahmen der Hausratversicherung, u.a. gegen Identitätsdiebstahl, Zahlungsmittelmissbrauch, Konflikte mit Online-Händlern oder Rufschädigung, absichern.
Mit einer verschlankten Governance-Struktur und einer komplett neuen strukturellen Aufstellung des Konzerns verweist Breuer auf erste Erfolge im Rahmen des "Programms NordWest 2018". Bearbeitet werden die acht Handlungsfelder Wachstum, Produkte, Digitalisierung, Versicherungstechnischer Ertrag, Effizienz, Personal sowie Konzernorganisation und -Steuerung. "In unserer Branche werden die Karten neu gemischt. Mit unserem Strategieprogramm treffen wir die erforderlichen Voraussetzungen, um auch in Zukunft ganz vorne dabei zu sein", betonte der Vorstandsvorsitzende.
Ob sich diese Aussage auch auf die immer wieder neu aufflammenden Gerüchte um eine Fusion im Lager der Sparkassenversicherer bezog, blieb allerdings unbeantwortet. Nicht zu überhören war allerdings, dass die Provinzial NordWest und ihr Vorstand aus einer Position der Stärke mit großem Selbstbewusstsein in solche Verhandlungen einsteigen würden. "Wir wollen auf jeden Fall für unsere Anteilseigner finanziell einschätzbar sein". (wo)
Bild: Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender der Provinzial NordWest. (Quelle: wo)
Provinzial Nordwest · Fusion · Wolfgang Breuer
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