Unternehmen & Management

NV: Ostfriesen wollen bundesweit punkten

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auch "kleine" Versicherer haben im Wettbewerb eine echte Chance. Davon ist Arend Arends, Vorstandsvorsitzender der NV-Versicherungen mit Sitz im ostfriesischen Neuharlingersiel, überzeugt. "Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns öffnen, ein modernes Gesicht zeigen und selbstbewusst mit wettbewerbsfähigen Produkten am Markt auftreten", begründet er die bundesweite Ausweitung des Geschäfts über Makler.
Dabei gehe es nicht darum, ständig mehr Umsatz zu machen. Ertragreiches Wachstum sei das Ziel. Inzwischen kommen rund 70 Prozent des Geschäfts bundesweit über freie Vermittler mit steigender Tendenz, 20 Prozent durch die eigene Ausschließlichkeitsorganisation mit ihren Geschäftsstellen in Ostfriesland und weitere zehn Prozent durch Direktvertrieb über das Internet. Das Lebensversicherungsgeschäft oder andere biometrische Risiken – bis auf die klassische Unfallversicherung – betreibt die NV nicht. Inzwischen verbucht das Unternehmen jährliche Beitragseinnahmen von 34 Mio. Euro.
Von tariflichen Experimenten hält Arends überhaupt nichts. Dennoch habe viel Risiko dazu gehört, sich zu öffnen und das Wagnis einzugehen, bei den Vertriebspartnern und der Konkurrenz ernst genommen zu werden. Den besonderen Reiz, einen kleineren Versicherer zu lenken, sieht der 61-jährige vor allem darin, völlig unabhängig Entscheidungen treffen zu können.
Er räumt jedoch auch ein, sich keine großen Fehlgriffe leisten zu können, die dann viel Geld kosten. "Wir sind stets darauf bedacht, unser Reputationsrisiko im Griff zu haben und gehen dadurch negativen Schlagzeilen aus dem Weg“. Über die ausufernde Bürokratie stöhnt Arends genauso wie viele seiner Kollegen bei den großen Versicherern. Während früher Vorstandsgespräche unkonventionell von einer Tür zur anderen geführt werden konnten, muss heutzutage alles dokumentiert und protokolliert werden. Das koste viel Zeit und verhindere, das eigentliche Thema Versicherungen vorne an zu stellen.
Kritisch bewertet Arends auch das, wie er es formuliert, Zauberwort Digitalisierung. Das werde zwar nach außen hin zum Nutzen der Kunden propagiert, profitieren würden aber in erster Linie die Aktiengesellschaften selbst. Die Folgen seien dort Personalabbau und Kosteneinsparungen. Dadurch könnten Produkte günstiger angeboten werden, was bisher den Kleineren vorbehalten geblieben sei, weil dort schon immer schlank gearbeitet wurde. "Wir dagegen wertschätzen unsere Mitarbeiter und behandeln sie respektvoll." Das habe zur Folge, dass sie bei allen Neuerungen engagiert und motiviert mitziehen. "Wir haben kaum Fluktuation in der Belegschaft", unterstreicht er nachdrücklich. (wo)
Mehr dazu lesen Sie auch am kommenden Donnerstag in der neuen Juni-Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.
Bild: Arend Arends, Vorstandsvorsitzender der NV-Versicherungen (Quelle: NV)
NV-Versicherungen · Arend Arends
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