Märkte & Vertrieb

IT wird für Versicherer zum Fallstrick

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Von Michał Trochimczuk. Nie zuvor hat man in der Versicherungsbranche so radikal über die eigene IT nachgedacht. Die Versicherer geben die Schlacht um mehr Flexibilität in ihren Systemen nicht verloren. Der Weg dahin muss nicht notwendigerweise mit einer Revolution verbunden sein. Angesichts des Hypes um Digitalisierung und Computerisierung gerät in Vergessenheit, dass diese Revolution bereits in den 1980er-Jahren begonnen hat.
Damals schwappte die erste Computer-Welle aus dem Silicon Valley über die USA und dann über den Rest der Welt. Die immer schneller und größer werdenden Rechner haben den Wirtschaftsunternehmen ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Die Versicherer begannen damals, ihre aktenbasierte Verwaltung auf elektronische Medien umzustellen, die Geburtsstunde der Elektronische Datenverarbeitung.
Wer die Potenziale der neuen Technologien früh ausgeschöpft hat, hatte spätestens nach der Deregulierung der Versicherungsmärkte einen eklatanten Wettbewerbsvorteil. IT-Systeme haben für mehr Transparenz in den Geschäftsprozessen gesorgt und sie beschleunigt.
Für manche Versicherer wurde die IT jedoch zu einem Fallstrick, vor allem aufgrund der Kosten. Die Liste fehlgeschlagener IT-Projekte ist lang. Auf dem stark von den Versicherern dominierten deutschen Markt war der Veränderungsdruck auch nicht besonders hoch.
Doch die Zeit in der Komfortzone ist wohl endgültig vorbei. Die zum Teil radikale Neudefinition des Versicherungsgeschäfts durch Insurtechs hat selbst den traditionsbewusstesten Versicherer inzwischen nachdenklich gemacht. Die Versicherungsbranche hat dadurch die Chance, zu einer der dynamischsten Wirtschaftsbranchen zu werden, ähnlich wie es in der Bankenbranche vor einem Jahrzehnt der Fall war. Die Konsequenz: IT-Strategien werden so radikal wie niemals zuvor überdacht.
Ein großes Hindernis stellen die alten Kernsysteme dar, viele von ihnen selbst entwickelt. Die Integration von externen Systemen fällt in so einer Systemlandschaft nicht gerade leicht. Dass in Cobol programmierte Systeme obsolet geworden sind und das Wachstum nicht gerade befördern, gehört inzwischen zum Common Sense. Aber ein neues System allein reicht noch nicht aus, um zukunftsfähig zu sein.
Häufig setzen Versicherer zwei oder mehrere Systemlogiken ein, Front-end-Lösungen harmonieren nicht mit Kernsystemen. Das treibt die Kosten bei der Implementierung und erhöht das Risiko von Bugs. Die neuen Herausforderer greifen in ihren Lösungen auf die modernsten Technologien zurück, von HTML5 bis Angular JS. Mit selbst lernenden Programmen und Predictive Analytics können sie ihre Angebote den sich ständig ändernden Kundenbedürfnissen anpassen, in einer Radikalität, wie sie bisher nicht zu denken war.
Das erfordert eine enorm anpassungsfähige IT. Ein System, das heute vorteilhaft ist, kann morgen schon zum Hindernis werden, wenn es nicht ständig aktualisiert wird. Versicherer sind deshalb dazu gezwungen, sich konsequent von den alten Systemen zu verabschieden.
Das muss nicht unbedingt in einer Revolution geschehen, sollte aber ohne Nostalgie für altbewährte Lösungen erfolgen, wenn sie ihren Funktionen nicht mehr gerecht werden. Ansonsten kann es sich am Ende herausstellen, dass die kleinen und agileren Davids unter den Marktteilnehmern die Goliaths unter den Versicherern auf dem falschen Fuß erwischt haben.
Bild: Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting in Köln (Quelle: Sollers)
Versicherungs-IT · Sollers
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