Köpfe & Positionen

"Cyber ist kurzfristig keine Wachstumsgeschichte"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Experten schätzen das das weltweite Prämienvolumen von Cyber-Policen auf derzeit rund 3,5 Mrd. Dollar - auch angesichts jüngster Attacken wie "Wanna Cry". Jean-Jacques Henchoz, Europa-Chef des Rückversicherers Swiss Re sieht in der zunehmenden Cyberkriminalität jedoch "kurzfristig noch keine Wachstumsgeschichte". Das Problem aus Sicht des Managers: die "komplexen Thematik".
"Tarife für eine Cyberdeckung zu entwickeln ist eben nicht mathematisch. Allerdings werden Produkt- und Prozessinnovationen sowie moderne Analysetechnologien die Entwicklung verbesserter Cyberversicherungslösungen unterstützen und die Grenzen der Versicherbarkeit wie auch den Deckungsumfang erweitern", betont Henchoz in einem Interview mit dem Handelsblatt.
Zudem seien Schadensfälle - ähnlich wie in der Terrorversicherung - "nicht einzuschätzen. Tarife für eine Cyberdeckung zu entwickeln ist eben nicht mathematisch. Allerdings werden Produkt- und Prozessinnovationen sowie moderne Analysetechnologien die Entwicklung verbesserter Cyberversicherungslösungen unterstützen und die Grenzen der Versicherbarkeit wie auch den Deckungsumfang erweitern", konstatiert der Manager der Swiss Re.
Eine Pflichtversicherung gegen Cyberangriffe sieht Henchoz jedoch zwiespältig. "Eine Pflichtversicherung erlaubt eine gewisse Skala und Diversifizierung, führt aber zu wenig Produktinnovation. Ein offener Markt führt zu verschiedenen Produkten und mehr Auswahl. Eine freie Wahl wäre deshalb vernünftiger", erläutert der Europa-Chef der Swiss Re.

Theis: "Markt nimmt jetzt Fahrt auf"

Ähnlich kritisch sieht auch Allianz-Vorstand Axel Theis: "Ich hatte gedacht, dass dieser Markt schneller und aggressiver wachsen wird, als er das bisher getan hat. Aber jetzt nimmt das Fahrt auf", betonte der für das Sachgeschäft zuständige Manager gegenüber der Nürnberger Zeitung. So beziffert Theis das Prämienvolumen auf rund 200 Mio. Euro. Dabei entfalle auf die Allianz ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag.
"In den nächsten Jahren kann der Markt aber weltweit leicht auf 20, 30 oder gar 40 Mrd. Euro wachsen", prognostiziert Theis. "Je mehr Kunden wir haben, desto höhere Deckungssummen können wir bieten", prognostiziert der Allianz-Vorstand. Allerdings seien Versicherungssummen von mehr als 100 Mio. Euro eher eine Ausnahme. "Ich habe kein Wachstumsziel für Cyber-Policen ausgegeben - hier auf Wachstum um jeden Preis zu setzen, wäre zu riskant", ergänzt Theis.
Das Thema "Versicherbarkeit von Cyberangriffen" steht in dieser Woche auf der Tagesordnung der Insurance Today and Tomorrow 2017 und des Aon Benfield Marktforums. (vwh/td)
Bild: Jean-Jacques Henchoz, CEO Reinsurance EMEA bei Swiss Re (Quelle: Swiss Re)
Cyber-Police · Swiss Re · Jean-Jacques Henchoz
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