Märkte & Vertrieb

Rückversicherer setzen auf US-Geschäft

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutsche Rückversicherer, die ihr Geschäft an US-Rückversicherer retrozedieren, laufen das Risiko nicht-zugelassener Geschäfte. Hintergrund ist die weiterhin fehlende Ratifizierung des Covered Agreement mit den USA unter der Trump-Regierung. Dieses Agreement war Änderung der Zulassungsbedingungen für Rückversicherer im Zuge von Solvency II und der Änderung der achten VAG-Novellierung notwendig geworden.
"Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wird die US-Aktivitäten deutscher Rückversicherer bis zum formalen Inkrafttreten nicht verfolgen", sagte Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht der Bafin, beim 14. Kölner Rückversicherungs-Symposium der Kölner Forschungsstelle Rückversicherung der TH Köln. "Wir gehen davon aus, dass Covered Agreement in Kraft tritt und behandeln die Unternehmen, wie wenn dies bereits der Fall wäre."
Gleichwohl gibt der oberste Versicherungsaufseher zu Bedenken, dass bei einem Scheitern dieses Abkommens die Unternehmen das Risiko nichtzugelassenen Geschäftes laufen. Ob die Unternehmen in einem solchen Fall Strafgelder zahlen müssen oder doch formal und materiell einen gewissen Vertrauensschutz genießen, beantwortete Grund nicht eindeutig. Er sagte, dass die Meinungsbildung zu diesem Abkommen zwar in USA nicht abgeschlossen sei, die EU die Ratifizierung ihrerseits aber parallel vorantreibe.
Angesichts der Unsicherheiten sei es "sinnvoll" US-Geschäft im Wege der Korrespondenzversicherung zu betreiben. Durch die §§ 67, 68 und 69 VAG sind seit 2016 nur noch Rückversicherer aus den EWR-Ländern, der Schweiz, Bermuda (eingeschränkt) sowie Japan (befristet) sowie ihre im EWR-Raum ansässigen Tochtergesellschaften und Gesellschaften mit deutschen Niederlassungen zugelassen.
Auswege sind für US-Geschäft das Covered Agreement sowie die Korrespondenzversicherung, sofern keine Marketing-Aktivitäten des Zedenden vorausgegangen sind. Doch auch beim Korrespondenzsystem ist nach Einschätzung von Professor Stefan Materne noch vieles ungeregelt: "Wie ist das, wenn ein Korrespondenzversicherer für einen Rückversicherer Marketing betrieben hat, ist er dann für alle verbrannt?", "Und wie sieht es mit dem Counter part risk aus, wenn man einen Rückversicherer immer auf dem Panell hatte, kann man den ausreichend geprüft haben, aber nie ihm geredet haben?"
Ulrich Wallin, Vorstandschef der Hannover Rück, kritisierte, dass die Rückversicherer durch Änderung der Zulassung ihr "Risiko nun weniger effektiv streuen“ könnten. "Das widerspricht dem Rückversicherungs-Gedanken, weil Rückversicherung funktioniert am besten, wenn Risiken weltweit verteilt werden." Davon versuche die Hannersche auch politischen Gremien zu überzeugen. Nicht alle Länder, die nun Solvency II anwenden, hätten die Zulassung derart geregelt. "Irland und Frankreich haben das anderes gemacht. Und auch der Londoner Markt profitiert nun von Cross Boarder-Beziehungen. Damit wird Deutschland für uns als Standort weniger attraktiv", so Wallin.
Grund erinnerte daran, dass diese Problem erst auf dem letztjährigen Rückversicherungssymposium sowie in Baden-Baden diskutiert werden. "Die Branche hat das Problem erst im Nachhinein gesehen." (lie)
Bildquelle: W.R. Wagner / PIXELIO (www.pixelio.de)
Rückversicherer · Ulrich Wallin · Frank Grund · Stefan Materne
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