Schlaglicht

Streik im Innendienst: AGV-Angebot ist für Verdi ein Affront

Von Dominic EggerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ruft die Beschäftigten im Innendienst zum Streik auf. Nach zwei Verhandlungsrunden hätten die Arbeitgeber ein "respektloses Angebot" vorgelegt. Die vom AGV in Aussicht gestellte Gehaltserhöhung sei zu gering. Innendienstler in Baden-Württemberg und Hessen will Verdi dazu bringen, die Arbeit niederzulegen. Standorte in anderen Bundesländern sollen folgen.
"Das Gehaltsangebot der Arbeitgeber würde angesichts der aktuellen Inflationsrate zu Reallohnverlusten bei den Beschäftigten führen und ist daher unannehmbar", sagt Christoph Meister, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Versicherung. Der Vorschlag des Arbeitgeberverband AGV beinhaltet einen Tarifvertrag mit 36 Monaten Laufzeit mit einer Gehaltssteigerung von insgesamt drei Prozent. Demnach erhielten die Beschäftigten mehr Gehalt in Etappen – von 1,1 Prozent im November 2017, 1 Prozent im November 2018 und 0,9 November 2019. Andreas Eurich, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, hatte dies mit einer "hohen Vorbelastung" für das Jahr 2017 begründet.
Statt drei Prozent in drei Jahren hatte Verdi 4,5 Prozent für die kommenden 12 Monate gefordert. Außerdem will die Gewerkschaft die Digitalisierung mit einem speziellen Tarifvertrag sozial verträglich gestalten. Hier wiegelt der Arbeitgeberverband ebenfalls ab: Digitalisierung sei nicht tarifvertraglich zu regeln, entsprechende Vereinbarungen müssten auf Betriebsebene getroffen werden. Für einen Digitalisierungs-Tarifvertrag können die Beschäftigten zwar nicht streiken, schließlich gilt hier Friedenspflicht. Innerhalb des Gehaltstarifvertrags ist sie jedoch ausgelaufen.
 "Das ist kein Angebot, das ist ein Affront."
In Baden-Württemberg scheint der Ärger besonders groß zu sein: "Auf dem Tisch liegen zwei Prozent Reallohnverlust verteilt auf drei Jahre", erklärt Verdi-Landesfachbereichsleiter Frank Hawel. "Das ist kein Angebot, das ist ein Affront."
Karlsruhe und Stuttgart werden als erste Orte ganztägig bestreikt, betroffen sind unter anderem Standorte von Allianz, Axa und W&W. Die Karlsruher Beschäftigten ruft Verdi ab 9:15 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Verdi-Haus in der Rüppurrer Straße 1a auf. In Stuttgart will die Gewerkschaft von den Allianz- und W&W-Standorten in der Reinsburgstraße, am Feuersee und in der Uhlandstraße zum kleinen Schlossplatz marschieren. Dort findet zwischen 10:15 und 10:45 Uhr eine Kundgebung statt.
Die Allianz-Niederlassung in Frankfurt/Main bestreiken die Verdi-Mitglieder ebenfalls, dies war nach Angabe der Gewerkschaft lange nicht vorgekommen. In Wiesbaden plant Verdi zudem Warnstreiks bei R+V und der Sparkassenversicherung.
In Baden-Württemberg rechnet man mit "über 500 Streikenden". Ob es Verdi mit dieser Personenzahl gelingt, vor der dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde am 2. Juni in Hamburg ausreichend Druck auf die Arbeitgeberseite aufzubauen, ist fraglich. Doch will die Gewerkschaft nach eigener Auskunft weitere Register ziehen, sollte die Verhandlung ein weiteres Mal ohne Erfolg vertagt werden. (de)
Bild: Aktive Mittagspause bei W&W in Stuttgart (Quelle: Verdi)
__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Die 350 deutschen Versicherer haben gestern erstmals fristgerecht ihre aktuelle Kapitalquote offengelegt. Ersten Einschätzungen nach liegen wohl alle Unternehmen im Soll. Dennoch sind die Daten erwartungsgemäß nur bedingt aussagekräftig. "Ein Unternehmensvergleich allein auf Basis der Bedeckungsquoten ist daher wenig aussagekräftig", betont Axel Wehling, Mitglied der GDV-Geschäftsführung.
Die Blockchain-Technologie erfreut sich bei den Versicherern immer größerer Beliebtheit. Deren Vorteil: Der "Konsensmechanismus sorgt für Kontrolle", glaubt Christian Richter von Accenture. Das Problem: Bislang habe damit noch kein Unternehmen "Geld verdient oder bereits signifikant Kosten eingespart". Doch dies könne sich bald ändern, prognostiziert der Experte im Exklusiv-Interview mit VWheute.
Swiss Life stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 die Zahl der Unternehmenskunden gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf 43.166. Gleichzeitig konnten die Verwaltungskosten um 1,5 Prozent auf 201 Mio. Schweizer Franken gesenkt werden. Der liechtensteinische Lebensversicherer Prisma Life dagegen erreicht nach Jahren wieder die Gewinnzone. Der liechtensteinische Lebensversicherer Prisma Life hat zudem im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit Jahren wieder mit einem Gewinn abgeschlossen.
AGV · Verdi · Streik · Tarifverhandlungen
Auch interessant
Zurück
20.02.2019VWheute
Debeka hadert mit "Hamburger Irrweg" Die Debeka kann sich auch weiterhin auf die private Krankenversicherung als wichtigste Säule des Konzerngeschäfts…
Debeka hadert mit "Hamburger Irrweg"
Die Debeka kann sich auch weiterhin auf die private Krankenversicherung als wichtigste Säule des Konzerngeschäfts stützen. So konnte Thomas Brahm bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Vorstandschef des Koblenzer Versicherers …
30.01.2019VWheute
Arbeit­ge­ber­ver­band der Versi­cherer kriti­siert geplanten Rechts­an­spruch auf mobiles Arbeiten Ein gesetzlicher Anspruch der Arbeitnehmer darauf …
Arbeit­ge­ber­ver­band der Versi­cherer kriti­siert geplanten Rechts­an­spruch auf mobiles Arbeiten
Ein gesetzlicher Anspruch der Arbeitnehmer darauf besteht derzeit nicht, wird aber von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen für das …
23.01.2019VWheute
Tarif­ver­hand­lungen über Digi­tale Arbeits­welt bringen "erste Ergeb­nisse" Die digitale Arbeitswelt in der Versicherungsbranche beschäftigt …
Tarif­ver­hand­lungen über Digi­tale Arbeits­welt bringen "erste Ergeb­nisse"
Die digitale Arbeitswelt in der Versicherungsbranche beschäftigt weiterhin die Tarifparteien. Vor wenigen Tagen trafen sich der Arbeitgeberverband (AGV) und die Gewerkschaft Verdi zur vierten …
12.11.2018VWheute
AGV und Verdi verhan­deln über Digi­ta­li­sie­rungs­themen: Arbeit­geber zuver­sicht­lich Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung. Verdi und der …
AGV und Verdi verhan­deln über Digi­ta­li­sie­rungs­themen: Arbeit­geber zuver­sicht­lich
Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung. Verdi und der AGV hatten nach dem letzten Gehaltstarifabschluss 2017 übereingestimmt, bis zur nächsten Gehaltstarifverhandlungen im Jahr 2019 …
Weiter