Politik & Regulierung

IDD: Nicht alles ist erlaubt

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Zuge der Vertriebsrichtlinie IDD wird die Assekuranz ihre Vergütungsmodelle anpassen müssen. "Wir haben Handlungsbedarf, Rechtsbegriffe zu klären", sagte Frank Grund auf der Jahreshauptversammlung des BVK. Im Hinblick auf den deutschen Weg, Provisionen und Courtagen als Leitvergütung beibehalten, betonte der Bafin-Exekutivdirektor: "Das müssen wir sehr sorgfältig machen, denn wir stehen europäisch unter Druck."
Der Markt müsse hier zu Usance und klaren Regeln kommen, damit keine Gerichte bemüht werden müssten. Aus dem Dreiklang "quantitativ, qualitativ und Dienstleistungselemente" müsse man ein "gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, was ist eine angemessene Kosten- und Vergütungsstruktur", so Grund. Quantitativ sei klar, dass die "Vergütung nicht ins Unendliche gehen darf", qualitativ könne man Elemente aus Geschäftsplänen heranziehen, mit denen auch sonst Beratungsgüte gemessen werde – also etwa der Net Promotor Score oder die Stornoquote.
Grund sagte, dass man sich hier erst am Anfang der Diskussion befinde. Justiz-Staatssekretär Gerd Billen vermochte nicht zu sagen, welche Vergütungs- und Vertriebssteuerungen unter der voraussichtlich ab 23. Februar 2018 geltenden IDD möglich bzw. verboten sind. Er verwies aber auf die Praxis bei den Banken, die nach der Regulierung ihre Steuerungselemente vom Umsatz weg auf Faktoren wie Kundenzufriedenheit ausgerichtet hätten. "Die Unternehmen sind gut beraten, wenn die Lücken für den schnellen Euro geschlossen werden. Manchmal muss man auch sagen, lieber Kunde das Produkt passt nicht auf Dich," so Billen.
Nach Auffassung von Rechtswissenschaftler Christoph Brömmelmeyer müssen die Vertriebspolitiken den Zielen des IDD zufolge „im bestmöglichen Interesse des Kunden“ stehen. Grundsätzlich wären auch Staffelprovisionen noch möglich, solange diese nicht zu Interessenkonflikten beim Vermittler führten.
Dass sich Vermittler im Privatkundengeschäft künftig eindeutig eine Vergütungsform Provisionen oder Honorare entscheiden müssen, scheint in der Praxis nicht unproblematisch, wie einige Vermittler zeigten. So gebe es Fälle, in denen Kunden von bereits aus dem Markt ausgeschiedener Vermittler beim Ablauf ihrer Lebensversicherung oder Arbeitnehmer beim Wechsel ihres Arbeitgebers zur betrieblichen Altersvorsorge beraten werden wollten. Abschlüsse, für die Provisionen flössen, fielen in diesen Fällen nicht an.
"Der IDD-Gesetzentwurf ist aktuell so, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli vor der Presse anläßlich der Jahreshauptversammlung des Vermittlerverbandes. Am 31. Mai 2017 sind die Verbände im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zur Anhörung eingeladen. Das BVK-Präsidium stellte auf der Jahreshauptversammlung des Verbandes seinen Leitantrag zur IDD vor.
"Wir fordern, dass für den Online-Vertrieb die gleichen Beratungs- und Dokumentationspflichten gelten müssen wie für den stationären Versicherungsvermittler", formuliert das BVK-Präsidium in seinem Leitantrag. Vertrieb dürfe ohne Beratung nicht stattfinden. Billen ließ keinen Zweifel daran, dass diese Forderung durchkommt. Es gebe eine breite politische Unterstützung für den Gesetzesentwurf. Das bedeute, wenn der Kunde in Textform auf die Beratung verzichten, werde dies möglich sei.
Zudem wünscht sich der BVK, dass Kopplungsgeschäfte in der IDD noch stärker unterbunden werden. Kreditinstituten müsse untersagt werden, Kreditvergaben mit der Vermittlung von Versicherungen zu verbinden. (lie)
Bild: Gerd Billen, Marc Suminski und Frank Grund (v.l.n.r.) (Quelle: lie)
BVK · IDD-Richtlinie · Frank Grund · Gert Billen
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