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"IFRS 17 bringt einheitliche Bilanzen, aber auch viel Arbeit"

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Von Joachim Kölschbach. Das IASB hat gestern den IFRS 17 Insurance Contracts veröffentlicht. Nach 20 Jahren Diskussion liegt nunmehr ein einheitlicher internationaler Rechnungslegungsstandard für Versicherungsgeschäfte vor. Ziel ist es, die Transparenz und Vergleichbarkeit der Versicherungsbilanzen zu erhöhen. Ob es umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
Wesentliche Neuerungen sind die Verwendung aktueller Annahmen, inklusive Diskontierungszins bei der Bewertung, die Eliminierung von Sparanteilen und Finanzierungskomponenten bei den Prämien, die Option zinsbedingte Bewertungsänderungen statt in der Gewinn-und Verlustrechnung in other comprehensive income ("OCI") zu erfassen und die Verteilung eines anfänglichen Gewinns entsprechend der Leistungserbringung über die Berücksichtigung einer contractual service marge ("CSM") in den versicherungstechnischen Rückstellungen sowie umfangreiche Anhangangaben, u.a. zur Profitabilität des Neugeschäftes.
Erstmals anzuwenden ist der Standard für Geschäftsjahre, die am 1. Januar 2021 beginnen. Bereits 2018 ist IFRS 9 Finanzinstrumente anzuwenden. Um zu vermeiden, dass Versicherer ihre Bilanzen in kurzer Zeit zweimal ändern müssen, haben sie die Möglichkeit, auch den IFRS 9 erst 2021 anzuwenden. Versicherer dürften dann alle ihre Kapitalanlagen mit dem Zeitwert ansetzen, um konsistent in der Bewertung auf Aktiv- und Passivseite zu sein.
IFRS 17 ist ein sehr komplexer Standard und stellt hohe Anforderungen an die Umsetzung. Das betrifft nicht nur das Rechnungswesen und das Aktuariat, sondern auch viele andere Bereiche. Daten, Systeme und Prozesse sind in den nächsten Jahren anzupassen. Damit steht den IFRS-Anwendern unter den Versicherern das nächste Mammutprojekt bevor.
Bild: Joachim Kölschbach, Partner bei KPMG und IFRS-Experte (Quelle: KPMG)
IFRS · Joachim Kölschbach
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