Märkte & Vertrieb

Viele Insurtechs denken nicht strategisch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Weltweit sind derzeit etwa 1.000 Versicherungs-Start-ups aktiv. Dennoch ist echte Disruption selten. Vielmehr sind einige Geschäftsmodelle trotz begrenzten Ertragsmodells bereits überbesetzt, während andere lukrative Felder vernachlässigt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste weltweite Analyse von Policen Direkt und der Strategieberatung Oliver Wyman.
So kommt die Gemeinschaftsstudie zu dem Ergebnis, dass dem Insuretech-Markt nun eine Konsolidierungswelle bevorsteht. "Auf einige InsurTechs kommen schwierige Zeiten zu", glaubt Co-Autor Dietmar Kottmann, Insurance-Partner bei Oliver Wyman. Gerade in bereits überbesetzten Geschäftsfeldern, die häufig in den Bereichen Angebot und Vertrieb anzutreffen sind, sei eine Bereinigung unvermeidlich.
"In der heutigen ersten Welle traten auch Start-ups an, die kaum über Branchenwissen verfügten", betont Kottmann. Das räche sich jetzt. Auch einige Investoren irrten mit der Annahme, es ließen sich ähnlich wie im disruptiven E-Commerce einfach Nachfrageströme unterbrechen und umleiten, ergänzt der Experte von Oliver Wyman. "Dieser Ansatz läuft im Versicherungsgeschäft meist ins Leere. Denn es existieren nur sehr wenige Gebiete, in denen Kunden aktiv nach einer Absicherung suchen", glaubt Kottmann. So gelte es "vielmehr, das latente Kundenbedürfnis an die Oberfläche zu holen. Doch diese Kunst beherrschen erst Wenige.".
Zudem rechnet Nikolai Dördrechter, Geschäftsführer von Policen Direkt, mit einer zweiten "Welle erheblich besser aufgestellter InsurTechs – mit mehr Branchenwissen und intelligenteren Ansätzen". Dabei komme nach Ansicht der Studienautoren vor allem den Investoren eine kritische Rolle zu. "Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sie auf die ersten Ausfälle reagieren. Und inwieweit sie bereit sind, die bevorstehenden teureren Finanzierungsrunden mitzugehen", ergänzt Dördrechter.
So beobachten die Experten bereits eine zögerliche Haltung der Geldgeber, wenn zweistellige Millionenbeträge aufgerufen werden. Solche Nagelproben stehen den meisten InsurTechs noch bevor – und sie verändern das Auftreten. "Wir beobachten, dass die Angriffslust vieler InsurTechs einem Kooperationswillen mit dem Establishment weicht", erläutert der Geschäftsführer von Policen Direkt.
Nachhaltigen Erfolg werden nach Ansicht der Studienautoren jedoch nur die Insurtechs haben, die den Betrieb digitalisieren. "Dort finden sich viele attraktive Chancen", sagt Kottmann und verweist auf Technologien, die den Vertrieb unterstützen ("Digital Sales Enabling"), die Schadenabwickung erleichtern ("Claims Management") oder versicherungstechnische Kernprozesse optimieren ("Underwriting").
Während zwei Drittel des weltweiten Prämienpotenzials laut Studie in den USA und Westeuropa schlummern, finden die InsurTechs nach der Analyse noch selten den Weg über Landesgrenzen. "Viele InsurTechs sind noch reine Länderspieler. Die Aktivitäten beginnen sinnvollerweise dort, wo die Gründer die lokalen Gegebenheiten und die Regulierung kennen, um sich nicht zu verzetteln", betont Dördrechter: "Der Versicherungsmarkt ist zudem so groß, dass ein InsurTech auch in einer Nische zu einem Erfolg werden kann." (vwh/td)
Bildquelle: JMG / PIXELIO (www.pixelio.de)
Oliver Wyman · InSurTechs · Policen Direkt
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