Politik & Regulierung

Ifo-Präsident Fuest fordert "Krisen-Versicherung" für EU

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Angesichts der Debatte um deutsche Hilfen für den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron spricht sich das Münchener Ifo-Institut für die Einrichtung eines neuen Rettungsmechanismus für die EU aus. Eine "solche 'Krisen-Versicherung' könnte ein Fonds sein, in den die Euroländer einzahlen, und aus dem ein Land in einer schweren Krise Geld erhält", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest dem Focus. Das Geld müsse nicht zurückgezahlt werden.
Fuest betonte, der "deutsche Anteil würde nach dem Euro-Verteilungsschlüssel bei knapp 30 Prozent liegen und würde je nach Größe des Fonds einige Milliarden betragen." Für die Einrichtung dieser Krisen-Versicherung sollten seiner Meinung nach zwei Bedingungen erfüllen sein: "Es muss zwei rote Linien für die Bundesregierung in den Verhandlungen mit Macron geben. Zum einen müssen Fehlanreize für exzessive Staatsverschuldung in der Eurozone reduziert werden. Zum Beispiel könnte für Banken eine Pflicht zur Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen eingeführt werden. Zum zweiten darf es keine Zugeständnisse im Austausch gegen Reformversprechen geben, denn die hören wir seit 17 Jahren."
Auch Versicherer dürften dann von der veränderten Eigenkapitalunterlegung für Staatsanleihen betroffen sein. Im Interview mit der Versicherungswirtschaft hat Clemens Fuest mehrmals die besondere Rolle von Versicherern für den Standort Deutschland betont. Aber auch sie unterliegen einem Wandel: "Versicherer müssen  verstehen, wie sich Geschäftsmodelle ihrer Unternehmenskunden oder Konsum- und Lebensgewohnheiten von Privatkunden wandeln und wie sich die Risiken dadurch verschieben" erklärte Fuest. "Wenn es richtig ist, dass Menschen immer weniger an bestimmten Autos interessiert sind, sondern an Mobilität, dann müssen die Autohersteller und die Versicherer aufpassen, dass sie nicht in Abhängigkeit von Unternehmen wie Sixt geraten, die wissen, welche Mobilitätsbedürfnisse die Kunden haben und die entsprechende Fahrzeuge unterschiedlicher Marken mit den passenden Versicherungspaketen als Paket anbieten."
Gleichzeitig bietet der digitale Wandel seiner Meinung nach auch neue Marktchancen. "Durch neue Technologien entstehen neue Risiken. Beispielsweise können zunehmend autonom und intelligent arbeitende Roboter Schäden verursachen. Hier entstehen neue Märkte für Versicherer, die erhebliche Potenziale bieten", sagte Fuest gegenüber der Versicherungswirtschaft. (vwh/dg)
Bild: Clemens Fuest (48) ist seit dem 1. April 2016 Präsident des Ifo-Instituts München. Er trat die Nachfolge von Hans-Werner Sinn an, dessen Amtszeit zum 31. März 2016 alters­bedingt endete.
Ifo-Institut · Clemens Fuest
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