Köpfe & Positionen

Euler-Hermes warnt Unternehmen vor falschen Präsidenten

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kennen sie die Präsidentenmasche? Ein Betrüger kontaktiert in einem Unternehmen einen Mitarbeiter mit Kontovollmacht und weist sich als Chef aus. Es wird aus vermeintlichen geheimen Geschäftsgründen eine Überweisung auf ein Konto verlangt. Geschieht das, ist das Geld weg. Wie sich ein Unternehmen vor dieser und ähnlichen Risiken schützen kann, weiß Rüdiger Kirsch, Leiter Schaden und Vertrauensschadenversicherung bei Euler Hermes.
VWheute: Es heißt immer, die Zahl der (Internet-)Betrügereien und Betrugsversuche steigt. Geben Sie unseren Lesern bitte mal ein paar Zahlen an die Hand.
Rüdiger Kirsch: Als Experte für das Vertrauensschaden-Segment bei Euler Hermes kann ich zumindest einen Einblick aus unseren Erfahrungen geben: In den vergangenen drei Jahren haben wir insgesamt etwa 60 Schadensfälle durch sogenannte „Fake-President-Betrüger“ verzeichnet. Die Schadenssumme beläuft sich insgesamt auf rund 140 Millionen Euro. Tendenz: steigend!
VWheute: In welchen Bereichen im Versicherungsbereich erwarten Sie eine Zunahme an Betrügereien – Angriffen auf interne Server, Fakenews oder etwas anderes?
Rüdiger Kirsch: „Wir gehen davon aus, dass die Betrugsfälle durch Dritte generell weiter zunehmen werden. In welchen Formen, Ausprägungen und Versionen, ist kaum prognostizierbar, weil sich die Methoden sofort anpassen, wenn sie bekannter werden.
VWheute: Ihr Unternehmen hat im letzten halben Jahr drei Fälle der Präsidentenmasche erkannt. Mit Verlaub, muss man ein solches Risiko absichern? Reicht es da nicht, die internen Kommunikationsregeln zu überdenken?
Rüdiger Kirsch: Nein. Die internen Kommunikations-, Prozess- und Compliance-Regeln sind vor allem bei Betrug und Untreue durch Mitarbeiter wichtig. Sie sollten nicht zuletzt auch deswegen regelmäßig überprüft werden. Ihre Wirkung bei Angriffen von Dritten ist jedoch begrenzt.
Externe Betrüger stellen sich schnell auf die Gegebenheiten in den Unternehmen ein. Dazu gehen sie gezielt vor, sind gut vernetzt und psychologisch extrem versiert. Einzelschäden in Millionenhöhe belegen das bereits sehr eindrucksvoll. Angesichts dieser Risiken sollten Absicherungsmaßnahmen nicht nur operativ geprüft werden.
VWheute: Die Anzahl der Fälle von Wirtschaftskriminalität sinkt aber kontinuierlich, genau wie die Schadenssumme durch Wirtschaftskriminalität (Statista). Wie bewerten Sie als Experte die Gefahr von Wirtschaftskriminalität und wie entwickelt sich hinter diesem medialen Hintergrund ein Produkt wie die Vertrauensschadenversicherung?
Rüdiger Kirsch: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich an dieser Stelle nur auf die Daten von Euler Hermes beziehen kann. Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaftskriminalität grundsätzlich weiter zunimmt, auch wenn die Anzahl der Schadensfälle durch einen höheren Bekanntheitsgrad kurzfristig stagnieren kann. Aber viel zu viele Betrugsfälle und -versuche bleiben leider auch immer noch eine Dunkelziffer in den Statistiken.
Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass die professionelle Weiterentwicklung der Betrugsmaschen zu einer sehr realen Bedrohung wird. Einige Anbieter von Vertrauensschaden-Versicherungsprodukten haben sich deswegen auch schon zurückgezogen, obwohl die Nachfrage auf Unternehmensseite weiter steigt. Unser Ziel bei Euler Hermes ist es, mit unseren Kunden über geeignete präventive Maßnahmen zu sprechen: das umfasst die Aufklärung über interne organisatorischen Maßnahmen bis hin zu geeignetem Versicherungsschutz. (vwh)
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz
Bild: Rüdiger Kirsch (Quelle: Euler-Hermes)
Euler Hermes · Betrug · Kirsch Rüdiger
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