Schlaglicht

Bafin denkt wegen IDD intensiv über Änderungen bei Provisionen nach

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Versicherungsbranche steht nach wie vor unter genauer Beobachtung der Finanzaufseher. Das betonen Bafin-Chef Felix Hufeld und Frank Grund, Exekutivdirektor für Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, auf der Jahrespressekonferenz der Bafin: "Eine Reihe von Lebensversicherern beaufsichtigen wir besonders intensiv – und dafür haben wir Gründen", sagt Hufeld. Im Bereich Provisionen scheint sich zudem eine Änderung anzubahnen.
Auf Nachfrage bestätigte Grund, dass "rund eine Handvoll" Versicherer unter genauerer Beobachtung der Bafin stünden. Bei der Bewertung von Unternehmen müsste man grundsätzlich zwischen der Erfüllung der Solvency II-Vorgaben und den Regelungen des HGB unterscheiden, erläutert der oberste Versicherungsaufseher. Die Frage müsse immer sein, ob ein Versicherer "die beide Stränge auch über die nächsten Jahre erfüllen kann." Alle Maßnahmen und Gespräche der Bafin seien auf dieses Ziel hin ausgerichtet.
Solvenzquote nur als Werbemaßnahme?
Sowohl Hufeld als auch Grund bestätigen der Branche Fortschritte, allerdings seien die Versicherer, insbesondere die Lebensversicherer, noch längst nicht in sichere Gewässer eingefahren. Der Bafin-Präsident betonte in seiner Rede, dass sich die Branche in den Bereichen Risikomanagement und Bewusstsein "deutlich verbessert" habe. Grund ergänzte, dass alle Versicherer ihre Solvenzquoten am 22. Mai voraussichtlich erfüllen werden. Er fügt aber an, dass die Bewertung eines Unternehmens nur eine "Momentaufnahme" sei und dass sich eine Einschätzung schnell ändern kann. Die Bewertung sei viel zu komplex, um in einer Zahl oder Quote genau bestimmt zu werden. Für sich allein genommen sei die Quote nicht aussagekräftig.
Auf die Nachfrage, warum die Quote dann verlangt würde, antwortete Grund: "Es ist das Ziel, die Solvenz mittels einer passgenauen Risikomessung festzustellen." Für die "Aufstellung einer Rangliste" eigne sie sich nicht – auch wenn er sich bewusst ist, dass die Versicherer die Quote für Werbemaßnahmen nutzen werden.
Das Problemkind der Branche bleiben die Pensionskassen. Diese würden laut Grund am stärksten unter den niedrigen Zinsen leiden. Die Situation habe sich "nicht entspannt" und die Bafin wird die Situation weiter "sehr genau beobachten" und gegebenenfalls eingreifen.
Provisionsflurgeflüster birgt Zündstoff
Interessantes hat die Bafin zur IDD-Regelung zu sagen. Die Richtlinie gebe den Finanzaufsehern die Möglichkeit, die Provisionsvergabe der Versicherer neu zu bewerten, erläuterte Grund. Das Ziel ist es, "neue Regularien zu nutzen um mehr Transparenz und Klarheit zu erarbeiten." Die Bafin werde sich nach einer Einschätzung der Situation zu gegebener Zeit dazu äußern. Ob der Gesetzgeber in diese Richtung etwas plane, wisse er nicht, führt Grund aus. Er bestätigte allerdings, dass eine gesetzliche Änderung wohl nicht ohne Rücksprache mit der Bafin erfolgen werde.
In den Gesprächen nach der Konferenz schwang durchaus der Unterton mit, dass die Bafin mit der momentanen Regelung bei den Provisionen nicht allzu glücklich ist und gerne Änderungen herbeiführen würde. Eine Umgestaltung müsse auch nicht grundsätzlich durch den Gesetzgeber selbst erfolgen, konnten Interessierte hinter vorgehaltener Hand erlauschen.
Bafin lockt britische Versicherer nach Frankfurt
Auch in Sachen Brexit wurde die Bafin konkreter. Mit einer "mittleren einstelligen Zahl" von britischen Versicherern wurden bereits Gespräche geführt, sagte Grund. Bei einem Unternehmen wären die Verhandlungen bereits etwas weiter fortgeschritten, ohne auf den Namen einzugehen. Die Versicherungsbranche scheint in diesem Bereich konservativer zu denken als die Banken. Hufeld sprach von einer zweistelligen Anzahl von Bankhäusern, die einen Umzug in die Mainmetropole erwägen. (mv)
Bild: Frank Grund (Quelle: usk)
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