Schlaglicht

Warnstreiks drohen: Lässt sich Digitalisierung tarifvertraglich regeln?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für die rund 170.000 Beschäftigten im Innendienst hat der AGV sein erstes Angebot vorgelegt: Drei Jahre Laufzeit und eine liniere Anhebung um 1,1 Prozent zum 01.11.2017, ein Prozent zum 01.11.2018 und 0,9 Prozent zum 01.11.2019. Das würde nicht mal die Inflation ausgleichen, kommentiert ver.di. Die Gewerkschaft will die Digitalisierung sozial flankieren. AGV-Chef Andreas Eurich ist skeptisch.
"Das ist angesichts der guten Geschäftsergebnisse in 2016 und den Prognosen für das Geschäftsjahr 2017 völlig unannehmbar. Die ver.di-Verhandlungskommission hat das Angebot daher auch zurückgewiesen und den Arbeitgeberverband aufgefordert, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen", erklärt die Gewerkschaft.
AGV-Vorsitzender Andreas Eurich entgegnet: "Dieses Angebot ist dadurch motiviert, dass wir eine hohe Vorbelastung für das Jahre 2017 haben. Jeder Versicherungsangestellte hat aufgrund des letzten Tarifabschlusses in diesem Jahr schon 1,5 Prozent mehr Tariflohn als im Jahr 2016 'in der Tasche', weil die letzte Tarifanhebung – 2,1 Prozent ab 1. Oktober 2016 – drei Monate vor Jahresende erfolgte. Deshalb wollen wir die Monate April bis Oktober 2017 ohne Tariferhöhung halten."

Versicherer wollen flexibel bleiben

Immense Investitionen in die Digitalisierung spielen dabei auch eine Rolle. Ver.di fordert diese genannten Investitionen sozial zu flankieren, "damit sie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Versicherungsunternehmen nicht unmittelbar in die Arbeitslosigkeit führen." Der Fachbereich Finanzdienstleistungen der Gewerkschaft ver.di fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter inklusive aller Zulagen um 4,5 Prozent. Alle Auszubildenden sollen pauschal 50 Euro mehr brutto bekommen und unbefristet übernommen werden. Außerdem sollen ver.di-Mitglieder monatlich 80 Euro zusätzlich für ihre Altersvorsorge erhalten. Der AGV hält die Forderungen für "vollkommen überzogen", berichtete VWheute.
Für Eurich ist es dagegen "schwierig, die Digitalisierung tarifvertraglich zu regeln. Die digitale Transformation erfordere vielmehr passgenaue betriebliche Vereinbarungen. Zur Einschränkung der Flexibilität darf es nicht kommen." Zur Zeit ist es völlig offen, wie die Verhandlungen weiter gehen werden und ob in der 3.Runde ein Ergebnis erzielt werden kann. Die letzte Tarifrunde im Jahr 2015 endete mit einer Gehaltserhöhung in Höhe von 4,3 Prozent über zwei Jahre. "Ob und wann die Gewerkschaft zu Arbeitskampfmaßnahmen aufruft, muss sie selbst entscheiden", so Eurich. "Wir gehen davon aus, dass es vor der nächsten Verhandlungsrunde zu ersten Warnstreiks kommen wird", erklärt ver.di. (vwh/dg)
Bild: Verdi-Aktivisten demonstrierten am Axa-Standort in Düsseldorf vergangene Woche (Quelle: Verdi).
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