Schlaglicht

Tarifrunde im Innendienst: Jetzt wird richtig verhandelt

Von Dominic EggerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Die diesjährige Runde ist eine Nagelprobe", betont Frank Weber, Vorsitzender der Verdi-Bundesfachgruppe Versicherungen. Der Arbeitgeberverband (AGV) und die Gewerkschaften Verdi, DBV und DHV machen sich nach dem Auftakt zur Branchenentwicklung heute in Düsseldorf nun ans Eingemachte. Ihre Hauptforderung nach einem "Tarifvertrag Digitalisierung" bekräftigte Verdi nicht nur mithilfe einer Protestaktion bei der Axa.
"Wir bieten dem AGV an, gemeinsam die digitale Transformation der Branche sozialverträglich zu gestalten", sagt Weber, der für Verdi mit dem AGV verhandelt. Im geforderten Tarifvertrag sollen nicht nur die Qualifizierung von Beschäftigten festgeschrieben werden, sondern auch die Gründung eines Weiterbildungsfonds. In diesen sollen die Unternehmen einzahlen, um alle Beschäftigten der Versicherungswirtschaft in Sachen IT weiterzubilden. Das Ziel: Der Wettbewerb untereinander soll nicht über Digitalisierung und Beschäftigung entschieden werden, sondern über das Produktangebot.
Der AGV hingegen stellt die Zuständigkeit der Tarifvertragsparteien in diesem Zusammenhang infrage, schließlich handle es sich bei der Digitalisierung um einen betriebsorganisatorischen Prozess, der in den Unternehmen stattfindet. Um eine Branchenlösung zu befördern, hat Verdi einen Online-Aufruf an die Betriebs- und Personalräte einzelner Versicherungsunternehmen gestartet. Die Unterzeichner, darunter die Gesamtbetriebsräte fast aller Versicherungskonzerne, bekennen: "Wir Betriebs- und Personalräte allein stoßen mit unseren Handlungsmöglichkeiten an Grenzen." Den Aufruf mit aktuell 660 Unterschriften will die Gewerkschaft morgen dem AGV übergeben.
Kämpferisches Eis
Auch eine Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent für die kommenden zwölf Monate hat Verdi im Gepäck, der DBV fordert sogar 4,9 Prozent für die 170.000 Beschäftigten des Innendienstes –  allerdings innerhalb von 24 Monaten. Als "vollkommen überzogen" zurückgewiesen hatte dies Sebastian Hopfner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des AGV.
Für den Schlagabtausch mit dem Arbeitgeberverband lief sich Verdi am Donnerstag und in der vergangenen Woche mit "aktiven Mittagspausen" schon mal warm. In der Düsseldorfer Axa-Niederlassung sammelten Verdi-Mitglieder Unterschriften und appellierten in großen Lettern an Personalvorstand Astrid Stange: "Liebe Astrid, Digitalisierungstarifvertrag für uns!" Bei der Ergo Düsseldorf verteilte Verdi an interessierte Beschäftigte ein "kämpferisches Eis". Mit Auslaufen des aktuellen Tarifvertrags ist die Friedenspflicht zum 31. März erloschen.
Tarif-Geschichte wiederholt sich nicht
Die letzte Tarifrunde im Jahr 2015 endete mit einer Gehaltserhöhung in Höhe von 4,3 Prozent über zwei Jahre. Ob sich die Arbeitgeber heute bzw. am 4. Juni, dem dritten Verhandlungstag, einen ähnlich hohen Abschluss abringen lassen, ist fraglich. Hat sich der Arbeitsmarkt in der Versicherungswirtschaft doch spürbar gewandelt: Von allen Seiten drängt der digitale Fortschritt in die Unternehmen und droht die Angestellten in Innen- und Außendienst von ihren sicher geglaubten Arbeitsplätzen hinfort zu spülen.
Was der Strukturwandel für die Beschäftigten in Versicherungsunternehmen bedeutet, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft. (de)
Bilder: Verdi-Aktivisten demonstrieren an Axa-Standort in Düsseldorf (Quelle: Verdi)
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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Die Swiss Re sieht sich im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2017 auf Kurs. So erzielte der Schweizer Rückversicherer in den ersten drei Monaten einen Gewinn von 656 Mio. US-Dollar. Dies entspricht einem deutlichen Rückgang von nahezu 47 Prozent gegenübe rdem Vorjahreszeitraum (2016: 1,229 Mrd. US-Dollar). Eine Ursache dafür liegt nach Unternehmensangaben auch in "Debbie".
"Zweieinhalb Stunden Beschimpfungen", so bewertete Le Figaro das einzige TV-Duell zwischen den französischen Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Der 39-jährige Ex-Banker ist der haushohe Favorit für Versicherer und Banken. Unter Le Pen würden Axa und andere Finanzinstitute verstaatlicht werden. Um Wähler in der Mitte einzufangen, vollzieht die Rechtspopulistin derweil eine Kehrtwende beim Frexit.
Der Münchener Verein Lebensversicherung bietet einen neuen Fonds-Nettotarif an. Es handelt sich um eine fondsgebundene Rentenversicherung, die flexible Elemente enthält. Kunden können das neue Produkt in erster Linie bei Honorarberatern und -vermittlern erwerben.
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