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Provinzial: Keine Klassik mehr, aber auch kein Run-off

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Provinzial Rheinland Lebensversicherung wird keine klassischen Garantieprodukte mehr verkaufen. Der Vorstand des öffentlichen Lebensversicherers rückt damit von den Überlegungen auf der letztjährigen Bilanzpressekonferenz ab. "Es gibt aber keinen Run-Off", sagte Vorstandschef Walter Tesarczyk. Denn auch aus dem Neugeschäft fließen weiterhin Garantiebestandteile in den Deckungsstock.
Zudem hat der Lebensversicherer im Einmalbeitraggeschäft umgesteuert – und dies so stark, dass dies zu einem Beitragsminus von 1,2 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro in der gesamten Gruppe führte. Das Einmalbeitragsgeschäft fiel 2016 um fast 16 Prozent auf 501 Mio. Euro. Laufzeiten unter sechs Jahren würden nicht mehr angeboten und darüber hinaus seien die Beträge für den Vertrieb limitiert worden. Unter Vorbehalt, weil noch nicht vom Wirtschaftsprüfer bestätigt, wurden für die Lebensversicherung Solvenzquoten von 154 Prozent (mit Volatility Adjustment) bzw. 476 Prozent (inklusive Rückstellungs-Transitional) genannt. Ohne jedwede Übergangsmaßnahmen wären es 129 Prozent.
In einigen Komposit-Sparten erzielte die Provinzial hingegen nach eigenen Angaben ein Beitragsplus 4,1 Prozent auf 1.179,2 (1.132,7) Mio. Euro. Beim selbst abgeschlossenen Geschäft stiegen die Beitragseinnahmen auf 1.105,2 Mio. Euro. Dies entspricht einem Anstieg um 3,3 Prozent. In nahezu allen Sparten konnte der rheinische Versicherer Zuwächse verbuchen, besonders in der Wohngebäudeversicherung (+ 4,7 Prozent), der Kraftfahrt-Versicherung (+ 3,2 Prozent) und der Unfallversicherung (+ 2,9 Prozent).
Gleichzeitig machten die Unwetter des vergangenen Jahres der Provinzial Rheinland zu schaffen. So verursachten "Elvira", "Friederike" und "Lea" einen Schaden von knapp 70 Mio. Euro. Dabei schlugen "Elvira" und "Friederike" hauptsächlich durch zahlreiche Elementarschäden aufgrund von Starkregen mit etwa 26 Mio. Euro zu Buche. "Lea" richtete zudem durch Sturm- und Hagelschäden einen Bruttoschaden von etwa 43 Mio. Euro an. Die Schaden-Kostenquote der Provinzial Rheinland lag im vergangenen Jahr bei 91,5 Prozent (2015: 88,7 Prozent).

Provinzial-Töchter sind "auf sehr gutem Weg"

Die Tochtergesellschaft Lippische-Landesbrand befindet sich nach den Worten von Vorständin Sabine Krummenerl "auf sehr gutem Weg". Nachdem versicherungstechnisch zehn Jahre lang Handlungsbedarf bestanden habe, erzielten die Detmolder 2016 sowohl vor wie nach Schwankungsrückstellung einen Gewinn. Nach Sanierungen in der Kraftfahrt und in Wohngebäude wurde eine Combined Ratio von nur 90 Prozent erzielt.
Die Entwicklung der S-Direkt verknüpfte Tesarczyk mit der Frage nach der Konsolidierung in der S-Finanzgruppe. "Die S-Direkt ist für uns eine starke strategische Option. Viele Internetversicherer verdienen kein Geld; unsere S-Direkt tut das und entwickelt sich weiterhin gut. Wir wollen ihr Geschäft verbreitern, aber es ist schwer absehbar, wie sich die Konstellationen in der Finanzgruppe gestalten“, so der Vorstandschef. Der Direktversicherer ist bereits seit 20 Jahren am Markt und bislang nur auf Kraftfahrt fokussiert. Vor Jahren war der Eigentümerkreis um die rheinischen Sparkassen, die VGH Versicherungen, die Öffentlichen Versicherung Braunschweig und die Oldenburgische Landesbrandkasse erweitert worden.
Vor der NRW-Wahl sei es um eine mögliche Fusion mit der Westfälischen Provinzial ruhig geworden, aber "das Nachdenken darüber hört nicht auf", so Tesarczyk. "Die Sparkassenlandschaft wird sich neu ordnen. Das Thema ist für die nächsten Jahre nicht erledigt." (lie)
Provinzial Rheinland · Walter Tesarczyk
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