Schlaglicht

Diekmann wieder bei Allianz: Kann er Bäte bändigen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es ist das Versicherungscomeback des Jahres: Der frühere Vorstandschef der Allianz, Michael Diekmann, wird heute auf der Hauptversammlung nach zweijähriger Karenzzeit in den Aufsichtsrat des Münchener Versicherers einziehen und Helmut Perlet an der Spitze des Kontrollgremiums beerben. Beobachter glauben, dass er dem amtierenden Vorstandschef und Nachfolger Oliver Bäte die Zügel anlegen soll.
Immerhin hatte der bei seiner Amtsübernahme vor zwei Jahren angekündigt, die Allianz künftig eisern für das digitale Zeitalter fit zu machen. Allerdings wirkte die Außendarstellung des Konzernchefs vor allem in den letzten Monaten so manches Mal alles andere als überzeugend - extern wie intern. So waren es mal die knallroten Turnschuhe auf der letzten Hauptversammlung, mal der naiv wirkende Duz-Ton in einem Youtube-Interview.
Für spürbare Irritiationen in der Führungsebene sorgte hingegen jüngst eine fingierte Militärübung. Das eigentliche Szenario: Ein Kampfjetpilot war über dem Gebiet der verbündeten Allianz-Konkurrenten Generali und Zurich abgestürzt und sollte gerettet werden. Glaubt man einem Bericht der Welt, soll Diekmann seinen Nachfolger zum Rapport über das bizarre Manöver einbestellt haben. Sogar von einer Rüge soll unter Berufung auf Aufsichtsratskreise die Rede sein - auch wenn der Konzern selbst dies offiziell entschieden in Abrede stellen ließ.

Gerüchte von Intrigen und "Meuterei"

Dabei scheint Bäte hausintern jedenfalls nicht unumstritten zu sein: Von Intrigen und Schikanen ist da die Rede - sogar von Umsturzversuchen. So wollte beispielsweise die Wirtschaftswoche unlängst von einer "Meuterei in München" erfahren haben. Die These: Deutschland-Chef Manfred Knof habe in intimer Runde durchblicken lassen, dass er sich den Job an der Konzernspitze zutraue – wenn dieser bald frei werden sollte.
Auch hier beeilte sich die Kommunikationsabteilung des Versicherers, entsprechende Gerüchte bereits im Keim zu ersticken: Ein im Intranet der Allianz veröffentlichtes Interview, welches VWheute vorliegt, sollte demnach für Klarheit sorgen. "Ich bin mit meiner Aufgabe sehr zufrieden, sie füllt mich aus, ich bin also gerne Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland", erklärt Knof. Angesprochen auf sein Verhältnis zu Bäte, stellt er klar: "Als bedeutende Gesellschaft im Heimatmarkt der Allianz haben wir natürlich eine herausgehobene Rolle in der Gruppe. Umso wichtiger, dass wir die notwendige Erneuerungsagenda der Gruppe besonders konsequent umsetzen. Und das tun wir, zu 120 Prozent! Ich finde, Oliver Bäte setzt da die richtigen Schwerpunkte."
Für ein übriges sorgte dabei auch die fragwürdige Nutzung des firmeneigenen Jets durch den Vorstandschef selbst: Nach einem Bericht der Welt am Sonntag soll er schon für kurze Strecken den genutzt haben, während die Chefs der Deutschland-AG selbst schon einmal mit der S-Bahn zum Münchener Flughafen fahren, um dort reguläre Linienflüge zu besteigen.

Konzernchef sieht sich auf Kurs

An Bäte selbst scheint die Kritik zumindest abzuperlen. "Die Allianz ist noch nie so stark gewesen wie heute", lobte der Allianz-Vorstandschef auf der Bilanzpressekonferenz im Februar. Die Zahlen sprechen zumindest für sich: Ein operatives Ergebnis von 10,8 Mrd. Euro (+ 0,9 Prozent), ein Jahresüberschuss von 6,9 Mrd. Euro (plus vier Prozent), eine Solvency-II-Kapitalquote von 218 Prozent und ein Ausblick für 2017 von weiteren 10,8 Mrd. Euro (+ 500 Mio. Euro) für das operative Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr.
Geliefert hat Bäte jedenfalls im vergangenen Jahr - auch wenn die ständig wiederkehrenden Übernahmegerüchte der Generali erneut ins Reich der Legenden verwiesen wurden. Immerhin scheint es dem Allianz-Chef gelungen zu sein, die bislang kriselnde US-Tochter Pimco vorerst stabilisieren zu können. So wurde nicht nur der jahrelange Abfluss von Kundengeldern gestoppt - seit dem dritten Quartal 2016 floß hingegen sogar wieder Geld ein.
In der Konzernzentrale scheint sich jedenfalls vorrevolutionäre Stimmung breit zu machen. Glaubt man einem Medienbericht der Welt, ruhen die Hoffnungen der hausinternen Opposition auf dem designierten Aufsichtsratschef. So soll zu Diekmanns übergeordneten Aufgaben künftig auch die Bändigung seines Amtsnachfolgers gelten. (vwh/td)
Bild: Michael Diekmann (links) und Oliver Bäte (rechts) auf der Bilanzpressekonferenz 2015 (Quelle: Allianz)
Allianz SE · Michael Diekmann · Oliver Bäte
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