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Winzer leiden unter Milliardenschäden durch Naturkatastrophen

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Extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen kosten die Winzer rund um den Globus jedes Jahr mehr als zehn Mrd. US-Dollar durch zerstörte Vermögenswerte, Produktionsausfälle und entgangene Gewinne. Am stärksten betroffen durch Extremwetter und Naturkatastrophen sind die Weinregionen Mendoza und San Juan in Argentinien. Zu diesem Ergebnis kommt der erste globale Risikoindex für Weinregionen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Auf Platz zwei liegen demnach Kachetien und Racha in Georgien, danach folgen das südliche Cahul in Moldawien (Platz drei), der Nordwesten Sloweniens (Platz vier) sowie Yaruqui in Ecuador und Nagano in Japan (Platz fünf). Besonders "Kältewellen und Frost haben weitreichende Auswirkungen" für die Weinanbaugebiete, erklärt James Daniell vom KIT.
Vor allem in den vergangenen Tagen machte der Frost den Winzern in ganz Europa zu schaffen, wobei die Slowakei, Bosnien, Serbien, Ungarn, Österreich und Tschechien am stärksten betroffen waren. Vor allem der Frost in der Nacht vom 20. auf den 21. April wird für Obstbauern und Versicherer teuer. Die Münchener und Magdeburger Agrarversicherung (MMA) spricht vom schwersten Frostereignis seit 1991. Ein Nachteil für die Bauern war das frühsommerliche Wetter im März, das die Blüten sprießen ließ. Der Weinbauverband geht ebenfalls von gravierenden Schäden aus.
Zudem gehören Hagelstürme jedes Jahr zu den größten Bedrohungen für europäische Winzer. So haben vor allem traditionelle Weinländer wie Frankreich und Italien in den vergangenen fünf Jahren große Verluste durch Hagel und Frost erlitten. Besonders stark davon betroffen waren Burgund und Piemont. So betrugen die Hagelverluste zwischen 2012 bis 2016 in einigen Weinbergen 50 bis 90 Prozent des eigentlichen Werts der Ernte. Dazu kommen auch langfristige Schäden an vielen alten Reben.
Hinzu kommt laut KIT-Studie, dass Erdbeben die Infrastruktur von ganzen Weinbauregionen über Jahre hinweg lahmlegen können. So waren in den vergangenen Jahren vor allem Chile, Neuseeland und die USA von Erdstößen betroffen. Allein 2010 hatte Chile einen Verlust von über 125 Millionen Litern Wein zu verzeichnen, hauptsächlich durch Versagen von Stahlbehältern.
"Ein erdbebensicheres Design hätte viele Millionen Liter retten können", sagt Daniell. Erdbeben verursachen nach Angaben der KIT-Forscher auch erheblich Verluste an Gebäuden, Tanks, Fässern, Ausrüstung und Chemikalien. Auch kleinere Erdbeben können demnach nicht nur finanzielle Schäden anrichten, sondern auch unersetzliche historische Güter zerstören, wie Verkostungsräume und seltene Weinkollektionen. Investitionen in Stabilisierungsmechanismen wie Bebenwachs, Reißverschlüsse oder Bolzen, die wenig kosten, können solchen Verlusten vorbeugen.
Allerdings könne sich der globale Klimawandel sowohl positiv als auch negativ auf die Weinindustrie auswirken. So rechnen die Forscher des KIT mit einer Verschiebung der Weinbaugebiete nach Süden und nach Norden: Weiter nördlich und südlich können neue Weinregionen entstehen, am Äquator dagegen einige Weinregionen verloren gehen. Viele Weine können sich dadurch tatsächlich verbessern. "Die englischen, kanadischen und nordchinesischen Weinregionen werden voraussichtlich ihre Produktion deutlich steigern, ihren Marktanteil erhöhen und ihre Qualität weiter verbessern", prognostiziert Daniell. (vwh/td)
Bildquelle: Annamartha / PIXELIO (www.pixelio.de)
KIT · Weinbau · Winzer
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