Schlaglicht

Versicherer leiden unter Provisionsbetrug durch Vermittler

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherer in Deutschland sind weit überdurchschnittlich von Wirtschaftskriminalität betroffen. Während im Durchschnitt aller Branchen 51 Prozent der befragten Unternehmen Opfer von Kriminaldelikten waren, sind es bei den Versicherern 70 Prozent. Die Anzahl der Geldwäschefälle sanken, organisierte Kriminalität sowie Cyber-Angriffe sind dagegen gestiegen. Das zeigt eine Studie von PwC und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Der Anstieg beruht vor allem auf Betrugskriminalität. Davon waren fast zwei Drittel (61 Prozent) der Versicherer betroffen. 2013 waren das noch 36 Prozent. Der Durchschnittswert aller Branchen betrug 37 Prozent. Gunter Lescher von PwC fordert die Versicherer auf, an diesem Problem weiter zu arbeiten, zumal die meisten durch Vermögenskriminalität auch am schwersten geschädigt worden seien. Ebenfalls wesentlich häufiger als im Durchschnitt aller Branchen wurden Versicherer durch externe Wirtschaftsstraftäter geschädigt. Drei Viertel davon waren Geschäftspartner und Dienstleister– mehr als doppelt so viele wie im branchenübergreifenden Schnitt. Zu einem großen Teil handelt es sich um Provisionsbetrug durch Versicherungsvermittler.
Beunruhigend sei außerdem, dass die betroffenen Versicherer 13 Prozent der externen Täter der organisierten Kriminalität zurechnen mussten. Auch Cyber-Kriminalität macht den Versicherern zunehmend zu schaffen. Ein Drittel der befragten Unternehmen berichtete über mindestens einen Fall von Cybercrime und 39 Prozent über Cybercrime-Verdachtsfälle. "Angesichts der voranschreitenden Digitalisierung dürften diese Zahlen künftig steigen", erläutert Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Straftäter begehen vor allem Computerbetrug, manipulieren Konto- und Finanzdaten und entwenden vertrauliche Kunden- und Unternehmensdaten.

Versicherer haben die Zeichen der Zeit erkannt

Es gibt aber auch positive Trends zu vermelden. Die Versicherungsbranche nimmt die Bedrohung durch Cyberangriffe sehr ernst. Inzwischen verfügen die meisten Versicherer über ein internes IT-Sicherheitssystem. Aufgrund regulatorischer Vorgaben wie Solvency II musste die Versicherungswirtschaft ihre Compliance-Standards deutlich erhöhen. Compliance-Management-Systeme sind daher nahezu selbstverständlich geworden. 87 Prozent der Versicherer verfügen über Compliance-Programme, der Durchschnitt aller Branchen liegt bei 76 Prozent. Diese sind insbesondere darauf ausgerichtet, Datenschutzverletzungen (97 Prozent), Korruption (82 Prozent) und Geldwäsche (79 Prozent) zu verhindern.
Die Bekanntheit des CMS-Prüfungsstandards 980 des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat in der Versicherungswirtschaft gegenüber 2013 um vier Prozentpunkte auf 58 Prozent zugenommen. Gestiegen ist die Anzahl der Versicherer, die sich nach diesem Standard zertifizieren ließen und derer, die dies "sehr wahrscheinlich" vorhaben. "Dieser positive Trend dürfte vor allem auf den Verhaltenskodex des GDV für den Vertrieb von Versicherungsprodukten zurückzuführen sein", erläutert Lescher. (vwh)
Bild: Kriminalität (Quelle: Rike / Pixelio/ www.pixelio.de)
Cyberattacken · PwC · Versicherungsbranche · Wirtschaftskriminalität
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